Männlicher Kopf (Schulterstück)



Männlicher Kopf (Schulterstück)


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-I-1
Bezeichnung: Männlicher Kopf (Schulterstück)
Künstler / Hersteller: Kasseler Hofwerkstatt
Datierung: Ende 17. Jh./1. H. 18. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: graubraun mit rost-roten Teilen, die für die Haare und das Schulterstück verwendet wurden
Maße: 9,5 x 8,09 x 2,99 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Bei dem nach rechts gewendeten jugendlichen Profilbild zeichnen sich Stein und Relief durch eine große Höhe und Räumlichkeit aus. Der Schulteransatz endet links abrupt, das Gewandteil verläuft in großzügigen Falten schräg zur anderen Seite. Etwas strenger Blick mit leicht angespannter Stirn, das Auge vorstehend mit angebohrter Iris. Auf dem langen Haar eine Binde, darunter quellen zahlreiche charakteristische sichelförmige Locken hervor, die dann spitz nach vorne zur Brust auslaufen. Das Inkarnat ist in der gebräuchlichen hessischen Manier matt belassen. Die Haare, das Gewandteil und der Grund sind stark poliert.
Diese Kamee gehört zu einer Gruppe von großformatigen Kameen, die teilweise eine Gesamtstärke von mehr als 3 cm (dicke Basis und hohes Relief) aufweisen. Sie stammen sicherlich alle aus der hessischen Hofwerkstatt. Dieses Prachtstück ist aus einem sehr eindrucksvollen Achat hessischer Herkunft aus Frankenberg, von braun-grauer Farbe mit kräftiger rostroter Äderung.
Meyer schreibt diese Kamee (Meyer 1973, Nr. B-6, Taf. 8,1) der Kasseler Werkstatt zu und gibt eine Charakterisierung der gruppenspezifischen Ausführung (Meyer 1973, S. 92ff.). Bei der Einzelbesprechung von Nr. B-6 spricht er von "summarischer Detailausbildung der Gewandfalten und massigen Locken" (Meyer 1973, S. 88), bei der Charakterisierung der gruppenspezifischen Ausführung von "kräftigem Schnitt, der kantige Formen im Bereich von Augenhöhlen und Nase schafft" (Meyer 1973, S. 92). Dieselbe Hand sieht er bei der Kamee B XVI. Tab. B-I-4 (vgl. Meyer 1973, Nr. B-8, Taf. 9,5-6).
Vermutlich sollten diese Stücke als Dekorationselemente für eine Steinfassade dienen und waren vergröbert, da sie für einen größeren Betrachterabstand berechnet wurden.
Sicherlich waren in der Hofwerkstatt nicht nur Christoph Labhart, sondern Gehilfen, Schüler und Nachfolger tätig. Dies verunklärt die Zuordnung an einen bestimmten Steinschneider erheblich.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIV. 1.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. I. 1.
  • Verzeichniß der aus der Gemmen=Sammlung in den Preziosenschrank versetzten geschnittenen Steine und Muscheln, die unterstrichenen sind nicht gefaßt, Cassel, den 19. April 1881. A. Lenz. SMK, Archiv HLM. 1881.
Literatur:
  • Kris, Ernst: Meister und Meisterwerke der Steinschneidekunst in der italienischen Renaissance. Wien 1929.
  • Meyer, Klaus-Heinrich: Studien zum Steinschnitt des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Werkstatt am Hofe von Hessen-Kassel in den Jahren 1680–1730. Hamburg 1973, S. 92ff, Kat.Nr. Nr. B-6, Taf. 8,1 u. Nr. B-8, Taf. 9,5-6.


Letzte Aktualisierung: 13.03.2026



© Hessen Kassel Heritage 2026
Datenschutzhinweis | Impressum