Doppelporträt des Tiberius und der Livia nach der Wiener Gemma Claudia
Doppelporträt des Tiberius und der Livia nach der Wiener Gemma Claudia
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-I-16 |
| Bezeichnung:
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Doppelporträt des Tiberius und der Livia nach der Wiener Gemma Claudia |
| Künstler / Hersteller:
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Christoph Labhardt (1644 - 1695)
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| Datierung:
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um 1690 |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Kassel |
| Material / Technik:
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hellbraun |
| Maße:
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5,54 x 4,58 x 1,7 cm (Objektmaß)
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Katalogtext:
Dargestellt ist ein antikes Herrscherpaar im Staffelprofil nach rechts, der römische Kaiser vor seiner Gemahlin, in relativ hohem Relief. Diese Kamee ist, wie bereits Völkel im Steininventar von 1791 feststellte, eine Kopie nach einem antiken Capita-iugata-Kameo des Tiberius mit Lorbeerkranz und der Livia mit Stephane und Mohnkranz.
Vollenweider schreibt das antike Original (Vollenweider 1966, S. 69, Anm. 26 und S. 118, Taf. 76, Abb. 3) im Archäologischen Museum in Florenz (Tondo 1996, Nr. 22) der kaiserlichen Gemmenwerkstatt zu, nämlich Eutyches, einem der drei Söhne des Dioskurides. Megow bestätigt die Identifizierung (Megow 1987, S. 179f.) des linken Büstenpaares als Tiberius und Livia und spricht von "Alterszügen" des porträtierten Paares. Luigi Tondo erwähnt, daß der florentinische Stein (Tondo 1996, S. 10 mit Abb., S. 100f.) von Kardinal Leopold de Medici im Jahre 1674 erworben wurde, der ihn restaurieren ließ. Möglicherweise fand eine starke Überarbeitung statt, jedenfalls hält Luigi Tondo eine Datierung ins 17. Jahrhundert für möglich und äußert damit Zweifel an einer antiken Herkunft.
Die Kasseler Kopie hat etwa dieselbe Größe wie das florentinische Vorbild. Die physiognomischen Merkmale sind reduziert worden, die Gesichtszüge wirken glatt und idealisiert. Vermutlich stammt die große und qualitätvolle Kasseler Kamee von einem der besten Steinschneider der hessischen Hofwerkstatt des Landgrafen Karl, nämlich von Christoph Labhart selbst. Der Steinschnitt ist auf einheitliche Wirkung angelegt, zeigt jedoch wenig Details. Dies läßt vermuten, daß diese Kamee nicht für die Nahsicht, sondern für eine gewisse Distanz vorgesehen war, möglicherweise gehörte sie zu der Gruppe von hessischen Steinschnitten, die für einen "Ehrentempel en miniature" geplant waren.
Als Capita-iugata-Typus wird diese Kamee letzten Endes auf den Urtypus, auf das rechte Herrscherpaar der Wiener Doppelfüllhornkamee, zurückgehen. Direkt an das linke Herrscherpaar der Wiener Gemma Claudia anschließen läßt sich die Kamee B XVI. Tab. B-III-7 (s. dort eine ausführliche Beschreibung und Diskussion des Wiener Stückes).
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIV. 16.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. I. 16.
- Verzeichniß der aus der Gemmen=Sammlung in den Preziosenschrank versetzten geschnittenen Steine und Muscheln, die unterstrichenen sind nicht gefaßt, Cassel, den 19. April 1881. A. Lenz. SMK, Archiv HLM. 1881, Nr. IV. 128.
Literatur:
- Georg Lippold: Gemmen und Kameen des Altertums und der Neuzeit. Stuttgart 1922, S. 299.
- Marie-Louise Vollenweider: Die Steinschneidekunst und ihre Künstler in spätrepublikanischer und augusteischer Zeit. Baden-Baden 1966, S. 69, Kat.Nr. Anm. 26 u. S. 118, Taf. 76, Abb. 3.
- Wolf-Rüdiger Megow: Kameen von Augustus bis Alexander Severus. Berlin 1987, S. 179f, Kat.Nr. Nr. A 49, Taf. 10,10.
- Luigi Tondo: I cammei dei Medici e dei Lorena nel Museo Archeologico di Firenze. Florenz 1996, S. 100f, Abbildung S. 10, Kat.Nr. 22.
Letzte Aktualisierung: 16.03.2026