Lucretia
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-III-1 |
| Bezeichnung:
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Lucretia |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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1. H. 16. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Deutschland |
| Material / Technik:
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milchig weißes Relief auf hellgrauem Grund |
| Maße:
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1,94 x 1,5 x 0,88 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: Aufkleber, lose (Typ E): "I 1";
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Katalogtext:
Auf kleinem Format beeindruckt die weibliche Halbfigur in Vorderansicht, mit gequältem Gesichtsausdruck aufwärts blickend, in enganliegendem, gefälteltem Gewand, das am Hals in der Mitte geschlitzt ist. Das lange, leicht gewellte Haar fällt auf beide Schultern. Ihr rechter unbekleideter Unterarm ist etwas ungelenk nach oben abgewinkelt, die Hand stößt den Dolch mit geballter Faust nach unten in die Brust. Durch den gebrochenen Blick und den leicht geöffneten Mund wird der Moment des Sterbens gezeigt.
Eine verwandte Kamee konnte bisher nicht gefunden werden.
Völkel und Pinder bezeichnen die Dargestellte im Inventar zu Recht als "Lucretia". Die vornehme Römerin Lucretia gilt als Personifikation der Tugend. Sie wird hier als Halbfigur in zeitgenössischem Kostüm des 16. Jahrhunderts dargestellt. Als ihr Gatte Collatinus beim Heer im Felde war, wurde sie von Sextus, Sohn des Königs Tarquinius Superbus, geschändet und ließ ihre Gefolgsleute Rache schwören. Hier ist der dramatische Augenblick der Verzweiflung dargestellt, als sie einen Dolch nahm, um sich selbst zu töten. Nach Livius (Livius 1,57-59) soll diese Tragödie zum Sturz des tarquinischen Königshauses und zur Entstehung der römischen Republik geführt haben. Lucretias Gatte Collatinus und Junius Brutus, ein Freund der Familie, wurden 509 v.Chr. die ersten Konsuln in Rom.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. I. 1.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. III. 1.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 1.
Literatur:
- Titus Livius: Ab urbe condita I. bis 510 v. Chr, S. 57-59.
Letzte Aktualisierung: 18.03.2026