Jugendliches männliches Brustbild
Jugendliches männliches Brustbild
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-III-2 |
| Bezeichnung:
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Jugendliches männliches Brustbild |
| Künstler / Hersteller:
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Kasseler Hofwerkstatt
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| Datierung:
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Ende 17. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Kassel |
| Material / Technik:
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glasig-transparentes Grau |
| Maße:
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3,28 x 2,96 x 1,5 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "XVI 20";
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Katalogtext:
Das jugendliche männliche Brustbild, im Dreiviertelprofil nach rechts, ist nahezu vollplastisch aus einem tondoartigen Hintergrund herausgearbeitet. Um den Hals des ansonsten unbekleideten Oberkörpers eine mit einem Band umwundene Festgirlande. Das in zahlreichen gedrehten Wellen liegende Haar mit Scheitelzopf ist mit kräftigen Schnitten gebildet. Die Augen sind ohne angebohrte Iris.
Völkel bezeichnet den Dargestellten als den römischen Feldherrn Marc Anton (82-30 v. Chr.). Die Identifizierung ist schwierig, da man Marc Antons charakteristisches Porträt nur von Münzbildern her kennt. Gegen eine Darstellung des römischen Feldherrn sprechen eine Art Scheitelzopf und die Festgirlande.
Meyer vertritt die Ansicht, daß dieses Exemplar in der Kasseler Hofwerkstatt hergestellt wurde und ordnet es den Arbeiten der von ihm gebildeten Gruppe C zu: "Diese Arbeiten der Gruppe C sind ihrer Funktion nach wohl überwiegend figurale Schmuckelemente, dazu bestimmt, in einen größeren Dekorationszusammenhang eingegliedert zu werden ... Man muß annehmen, daß Arbeiten der Gruppe B und C mit dem gleichen größeren Kunstgegenstand verbunden waren. In erster Linie wird man in Kassel an Miniaturfassaden der Gruppe I (Meyer 1973, Taf. 21) denken. Die Steinschnitte der Gruppe C wären dann eine Bauplastik en miniature."
Meyers Lokalisierung nach Kassel ist in Frage zu stellen, da verschiedene Kriterien dagegensprechen. Die stark skulptural wirkende Kamee weist zwar eine ähnliche Chalcedonfärbung wie gesicherte hessische Kameen auf, ist jedoch einen Ton dunkler. Die übliche hessische Matt-Glanz-Technik fehlt, die Kamee ist gleichmäßig und rundum hoch poliert. Gegen eine geplante Befestigung an einer Miniaturfassade spricht eindeutig die konkav gewölbte Rückseite. Erinnert fühlt man sich bei diesem Exemplar an klassische antike Kameen der Art der Augustus-Kamee in Paris (Megow 1987, Nr. A 30).
Stand: November 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. I. 2.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. III. 2.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 2.
Literatur:
- Meyer, Klaus-Heinrich: Studien zum Steinschnitt des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Werkstatt am Hofe von Hessen-Kassel in den Jahren 1680–1730. Hamburg 1973, Kat.Nr. Nr. C-7, Taf. 11,9.
- Wolf-Rüdiger Megow: Kameen von Augustus bis Alexander Severus. Berlin 1987, Kat.Nr. Nr. A 30, Taf. 22.
Letzte Aktualisierung: 16.03.2026