Doppelseitig: Julius Caesar (römischer Imperator 100-44 v. Chr.) / Merkur



Doppelseitig: Julius Caesar (römischer Imperator 100-44 v. Chr.) / Merkur


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-III-4
Bezeichnung: Doppelseitig: Julius Caesar (römischer Imperator 100-44 v. Chr.) / Merkur
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: Anfang 17. Jh. (?)
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Italien
Material / Technik: dunkelgrün mit dunkelrot-braunen wolkigen Einschlüssen
Maße: 3,21 x 2,37 x 0,54 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Doppelseitig geschnittener Stein. Der insgesamt flach geschnittene Heliotrop mit rot-braunen Einschlüssen ist relativ dunkel, weshalb die Darstellungen schwer erkennbar sind.
Auf der Vorderseite in Relieftechnnik: Brustbild des Gaius Julius Caesar (100-44 v. Chr.), nach rechts ins Profil gewendet, mit Lorbeerkranz und Toga. Über dem Haupt ein Stern (das Sidus Julium) und hinter dem Kopf ein Lituus eingraviert.
Im Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg (Zwierlein-Diehl 1986, Nr. 930) befindet sich eine Glaspaste mit einer ähnlichen Profilbüste Caesars als Abdruck einer originalen Edelsteingemme. Bei Reinach (Reinach 1895, Taf. 109, I, 3) ist ein Onyx mit demselben Caesar-Typus aus dem 16. Jahrhundert abgebildet. Dalton (Dalton 1915, Nr. 1036) erwähnt bei einem verwandten Caesar-Intaglio des 17. Jahrhunderts, daß es sich bei dieser Darstellung um einen häufig verwendeten Typus im 16. und 17. Jahrhundert handelt. Das Sidus Julium vor der Stirn ist auf den Silbermünzen Caesars erst nach seinem Tod zu finden und ist als Zeichen für dessen Vergöttlichung zu interpretieren.
Auf der Rückseite im Tiefschnitt: Der unbekleidete Merkur hält in seiner Linken einen Geldbeutel über einen Altar, in seiner Rechten das Kerykeion, auf dem Kopf trägt er den Flügelhut. Hinter ihm steht ein Hahn. Die Darstellung insgesamt auf einer Bodenleiste.
Die Merkur-Seite wirkt etwas trocken und manieriert und weist stilistisch in das frühe 17. Jahrhundert. Merkur war der römische Schutzgott der Kaufleute und des Handels. Auffällig sind der tänzelnde Stand des Merkur und der hochgezogene Flügelhut. Der Stab war ursprünglich ein Zauberstab, ehe er als 'Heroldsstab' aufgefaßt wurde. Am Kerykeion ist zwischen den beiden Schlangen, die sich um den Heroldsstab ringeln, ein Stern. Die Flügelschuhe als Attribut fehlen erstaunlicherweise bei dieser Darstellung.
Beide Darstellungen gehen auf ein antikes Urbild zurück. Wieweit die Kombination von Caesar auf der Kameenseite und Merkur auf der Intaglienseite auf antiker Überlieferung beruht, müßte überprüft werden. Doppelseitige Gemmen sind relativ selten.
Die Bedeutung dieses Stücks wohl italienischer Provenienz zeigt sich auch in der ausführlichen Beschreibung im Steininventar von Völkel.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. I. 4.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. III. 4.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 4.
Literatur:
  • Salomon Reinach: Pierres gravées des collections Marlborough et d'Orléans, des recueils d'Eckhel, Gori, Levesque de Gravelle, Mariette, Millin, Stosch, réunies et rééditées avec un texte nouveau. Paris 1895, Kat.Nr. Taf. 109, I, 3.
  • Ormonde Maddock Dalton: Catalogue of the engraved gems of the post-classical periods in the Department of British and Mediaeval Antiquities and Ethnography in the British Museum. London 1915, Kat.Nr. Nr. 1036, Taf. XXXIV.
  • Schnackenburg-Prael, Heidi: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel (Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel). Kassel 2006, Kat.Nr. B XVI. Tab. B-III-4.
  • Bungarten, Gisela [Hrsg.]: Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, S. 483, 485-486, Abbildung S. 483, Kat.Nr. X.29.


Letzte Aktualisierung: 16.03.2026



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