Doppelporträt des römischen Kaisers Claudius und seiner Gemahlin Agrippina minor nach der Wiener Gemma Claudia
Doppelporträt des römischen Kaisers Claudius und seiner Gemahlin Agrippina minor nach der Wiener Gemma Claudia
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-III-7 |
| Bezeichnung:
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Doppelporträt des römischen Kaisers Claudius und seiner Gemahlin Agrippina minor nach der Wiener Gemma Claudia |
| Künstler / Hersteller:
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Kasseler Hofwerkstatt
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| Dargestellt:
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Agrippina die Jüngere (15 - 59), Dargestellt Claudius I. Kaiser des Römischen Reiches (10 v. Chr. - 54), Dargestellt |
| Datierung:
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Ende 17. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Kassel |
| Material / Technik:
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zweischichtig: oberste Schicht mit dem Gewandteil und Haarbereich des Augustus rostbraun, am Lorbeerkranz milchig beige; Hauptschicht hellbraun, nach rechts ins Rosa-Beige gehend; auf der Rückseite entlang des größeren Ausbruchs milchig-weiße Partie |
| Maße:
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3,88 x 2,88 x 0,65 cm (Objektmaß)
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Katalogtext:
Capita-iugata-Kamee eines idealisierten antiken Herrscherpaares im Rechtsprofil. Wahrscheinlich ist hier das linke Herrscherpaar des berühmten römischen Doppelfüllhornkameos in Wien (Eichler/Kris 1927, Nr. 19, Taf. 9) separiert und etwas variiert worden (zum anderen Paar s. die Kamee B XVI. Tab. B-I-16).
Das Haar seiner Gemahlin ist lediglich schlicht angedeutet im Gegensatz zu dem Wiener Kameo, auf dem sie als Tyche, mit Mauerkrone, Mohn und Ähren im Haar, dargestellt ist. Völkel bezeichnet die Dargestellten als Claudius und Agrippina. Pinder schränkt ein: "soll scheinbar Claudius und Agrippina sein".
Kaiser Claudius (10 v. Chr. - 54 n. Chr.) ist mit einem Lorbeerkranz, der durch eine Schleife mit lang herabhängendem Band hinten gebunden ist, im Brustpanzer und mit einer über der rechten Schulter durch eine Schließe gehaltenen Toga, dargestellt. Hinter ihm und teilweise durch ihn verdeckt seine Gemahlin. Früher hielt man Messalina, die dritte Gemahlin, oder Agrippina d. J. für möglich. Heute wird allgemein Claudius mit Agrippina d. J. akzeptiert (zusammenfassend Megow 1987, S. 200 f. und Meyer 2000, S. 17f.). Der Büstenabschluß endet mit einem Ornamentstreifen, der eine kleinteilige vertikale Strichelung aufweist.
Die Eheschließung des Kaisers mit Agrippina d. J. im Jahre 49 n. Chr. könnte der Anlaß für die Herstellung der Wiener Gemma Claudia als Hochzeitsgeschenk (Hafner 1993, S. 87) gewesen sein. Beim Vergleich mit diesem allbekannten Kameo fällt folgendes auf: Die Kasseler Kamee stimmt mit den Physiognomien des linken Paares - Claudius und Agrippina d. J. - in etwa überein, die Attribute Füllhörner und Waffen fehlen, statt des Eichenkranzes trägt der männliche Dargestellte einen Lorbeerkranz. Im Unterschied zu dem Wiener Kameo, auf dem die weibliche Figur als Tyche, mit Mauerkrone, Mohn und Ähren im Haar, dargestellt ist, ist ihr Haar lediglich schlicht angedeutet. Der Kasseler Kameo ist eine Vereinfachung des bzw. Herauslösung aus dem Wiener Kameo. Die vereinfachende Idealisierung der Physiognomien ergibt eine Abweichung, die eine Identifizierung zusätzlich erschwert.
Auf dem vielgerühmten römischen Kameenvorbild in Wien wenden sich zwei Paare einander zu. In der Regel wird das Büstenpaar auf der rechten Seite als die Schwiegereltern des Claudius, nämlich Germanicus (der jüngere Bruder des Claudius) und Agrippina d. Ä., angesehen.
Die jahrzehntelange Diskussion über die auf dem Wiener Kameo Dargestellten mit den Füllhörnern betraf vor allem das rechte Paar. Erschwerend kam eine häufige Verwechslung der beiden Paare hinzu. Diskutiert wurden der Bruder Germanicus und Agrippina d. Ä., Tiberius und Livia, später kamen Alexander und seine Mutter Olympias ins Gespräch und in letzter Zeit auch Augustus und Livia Drusilla (Brown 1997, S. 84-107).
Orsini (1606, Taf. 29) publizierte eine Karneolkamee desselben Typs aus der Sammlung Pietro Bembo mit einer Identifizierung als Augustus und Livia (Brown 1997, S. 94, Abb. 11-13). Die Haartracht der weiblichen Dargestellten differiert immer wieder. Rubens zeichnete denselben Paartypus 1620 (Öl auf Leinwand), dort wird das Paar als Germanicus und Agrippina d. Ä. mit Fragezeichen identifiziert.
Bei dem hier besprochenen Stück handelt es sich möglicherweise um eine freie Kopie durch einen Kasseler Steinschneider. Es fehlt zwar die größtenteils verwendete Glanz-Matt-Technik der Kasseler Hofwerkstatt, wahrscheinlich hat sich der Steinschneider an der Rundum-Politur des antiken Stückes orientiert.
Insgesamt wirkt die Kamee etwas steif und unlebendig. Ein stilistisch nahestehender Kameo mit einer Darstellung des Tiberius findet sich in der Münzsammlung in München (Weber 1992, Nr. 155). Weber bringt diesen Kameo in Verbindung mit zwei weiteren Stücken in der Münzsammlung, nämlich dem "Hadrian" (Weber 1992, Nr. 156) und dem "Kopf eines alten Mannes" (Weber 1992, Nr. 154). Der "Kopf eines alten Mannes" weicht im Gesamttypus durch seine physiognomische Eigenwilligkeit und ausdrucksvolle Gestaltung jedoch erheblich ab.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. I. 7.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. III. 7.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 7.
Literatur:
- Fritz Eichler; Ernst Kris: Die Kameen im Kunsthistorischen Museum (Publikationen aus den Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Bd. II). Wien 1927, Kat.Nr. Nr. 19, Taf. 9.
- Meyer, Klaus-Heinrich: Studien zum Steinschnitt des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Werkstatt am Hofe von Hessen-Kassel in den Jahren 1680–1730. Hamburg 1973.
- Wolf-Rüdiger Megow: Kameen von Augustus bis Alexander Severus. Berlin 1987, S. 200f.
- Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. Nr. 154-156.
- Schnackenburg-Prael, Heidi: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel (Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel). Kassel 2006, Kat.Nr. B XVI. Tab. B-III-7.
- Bungarten, Gisela [Hrsg.]: Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, S. 484-486, Abbildung S. 484, Kat.Nr. X.31.
Letzte Aktualisierung: 17.03.2026