Livia



Livia


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-III-8
Bezeichnung: Livia
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: um 10-20 n. Chr. (?)
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: unbestimmt
Material / Technik: zweischichtig: Profilkopf weiß, Grundfläche braun
Maße: 3,68 x 3,11 x 0,76 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ E): "I 8";


Katalogtext:
Weibliches Brustbild mit Lorbeerkranz, nach links ins Profil gewendet, mit halsfernem Gewand und darüberliegendem Umhang. Die Nase ist leicht gebogen, die Augen wirken auffallend groß und blicklos, die Lippen sind fest geschlossen. Das Schläfenhaar ist in großen Wellen eingedreht, hinter dem Ohr in einem Strang zu einem schlaufenartigen Knoten gebunden.
Gertrud Platz-Horster (Staatliche Museen Berlin, Antikensammlung) stellte aufgrund der Abbildung (frdl. Mitteilung, ohne Autopsie) fest, daß es sich bei dieser Livia-Kamee wohl um ein antikes Stück handelt. Kontrovers dazu hält Erika Zwierlein-Diehl (Archäologisches Institut der Universität Bonn) diese Kamee für nicht antik. Auffällig sind das für neuzeitliche Kameen ungewöhnliche Material und die Feinabreibungen auf der Oberfläche der Bildseite. Der Sardonyx in Weiß-Mittelbraun ist in der Reliefpartie zwar weiß, aber an manchen Teilen ungewöhnlich durchscheinend kristallin schimmernd.
Völkel identifiziert die Dargestellte als Agrippina: "vermutlich ist die Jüngere gemeint". Pinder spricht nur noch von einem "weiblichen Porträtkopf". Die individuelle Physiognomie der Dargestellten, vor allem die gebogene Nase, die großen Augen, der kleine Mund und die typische Haartracht, jedoch ohne Nodus, sprechen für Livia. Sie erscheint beherrscht und willensstark. Bei der Datierung ist etwa der Glaspaste in Würzburg zu folgen (Zwierlein-Diehl 1986, Nr. 582), das heißt im ersten nachchristlichen Jahrhundert, sicherlich vor ihrer schweren Krankheit im Jahre 22 n. Chr., nach der sie "spitz und abgemagert" (Vollenweider 1966, S. 68) dargestellt wird.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. I. 8.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. III. 8.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 8.
Literatur:
  • Marie-Louise Vollenweider: Die Steinschneidekunst und ihre Künstler in spätrepublikanischer und augusteischer Zeit. Baden-Baden 1966, S. 68.


Letzte Aktualisierung: 16.03.2026



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