Weibliches Brustbild
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-III-9 |
| Bezeichnung:
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Weibliches Brustbild |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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Mitte 17. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Frankreich |
| Material / Technik:
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dreischichtig: Frisur und Gewandteil braun, Inkarnat und erhöhte Randlinie bläulich-weiß, Grund grau-braun |
| Maße:
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3,03 x 2,27 x 0,68 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ E): "I 9";
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Katalogtext:
Dieser farblich fein ausgewählte Stein zeigt ein weibliches Brustbild, nach links ins Profil gewendet, in antikisierendem, über der linken Schulter mit einer Schließe befestigtem Gewand. Unter einem Blattkranz im Haar sind schematisiert herausgearbeitete kleine Locken sichtbar. Das Haar im Nacken ist zopfartig mit einem dreireihigen Band gehalten, davor eine breite Haarlocke.
Auffallend ist bei diesem Kameo die partienweise Materialbehandlung bzw. differenzierte Ausnützung der oberen braunen Schicht und die zarte, ovale, weiß-bläuliche Einfassungslinie um das Bildfeld. In der französischen Steinschneidekunst wird im 17. Jahrhundert der 'Clipeus-Typ' mit Vorliebe verwendet. Der Stil und die Raffinesse der Steinschichtverwendung sprechen für eine französische Herkunft.
Weber erwähnt bei einem Nero-Kameo der Münchner Münzsammlung (Weber 1992, Nr. 231) "verwandte Kameen mit Köpfen und Brustbildern in Kassel, Hessisches Landesmuseum, wohl aus dem in Venedig zu Beginn des 18. Jahrhunderts erworbenen Konvolut. Vielleicht gleiche Werkstatt wie Kat.Nr. 230." Sie schreibt bei einem Münchner Imperatoren-Clipeus (Weber 1992, Nr. 232): "Die 'Versenkung' des Bildfeldes in einem hohen freistehenden Rand ist typisch für eine Gruppe von Gemmen des 17. Jahrhunderts, von denen die Mehrzahl alte Bildvorlagen kopiert oder variiert."
Völkel bezeichnet die Dargestellte als Agrippina, Pinder allgemeiner als "Weiblicher Porträtkopf". Allein die Haartracht könnte für Agrippina d. J. sprechen, deren Heirat im Jahre 49 n. Chr. mit Claudius stattfand, eher dagegen spricht die Physiognomie mit der langgezogenen Stirn und dem fliehenden Kinn.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. I. 9.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. III. 9.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 9.
Literatur:
- Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. Nr. 230-232.
Letzte Aktualisierung: 16.03.2026