Männliches Brustbild (Gian Galeazzo Sforza?)
Männliches Brustbild (Gian Galeazzo Sforza?)
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-III-19 |
| Bezeichnung:
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Männliches Brustbild (Gian Galeazzo Sforza?) |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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Anfang 16. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Mailand |
| Material / Technik:
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zweischichtig: weißes Relief auf hellgrauer transluzider Grundplatte |
| Maße:
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2,57 x 1,78 x 0,74 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "I 33"; Aufkleber: Aufkleber, lose (Typ E): "I 19";
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Katalogtext:
Ein reizvolles männliches Brustbild in jugendlicher Schönheit, nach rechts ins Profil gewendet, bartlos, mit lockigem Haar, in Rüstung mit über der Schulter geschlossenem Mantel. Das fein ausgearbeitete Profil ist stark hinterschnitten. Auffällig ist die sehr qualitätvoll ausgeführte ornamentale Haarbehandlung: Die Haare sind wie züngelnde Flammen gelockt, mehrere schlangenartige Strähnen verlaufen in der mittleren Partie zum Hinterkopf hin.
Völkel bezeichnet den Dargestellten im Inventar wegen seiner Schönheit irrtümlich als Antinous, Pinder nennt ihn allgemeiner "ein jugendliches männliches Porträt".
Kris konnte eine ähnliche Kamee in London (Kris 1929, Nr. 86) aufgrund von Medaillenvergleichen als "Gian Galeazzo Sforza" (1469-1494) identifizieren. Deren heutiger Verbleib konnte trotz Recherchen in London nicht geklärt werden.
Durch Stilvergleich mit dem Kameo (Kris 1929, Nr. 84) des Lodovico il Moro (gest. 1508), einem Chalcedon-Intaglio aus St. Petersburg, der durch Vasaris detaillierte Beschreibung für den Gemmenschneider Domenico dei Cammei (in Florenz und Mailand um 1500 tätig) in Anspruch genommen werden kann, hält Kris die Londoner Kamee mit Gian Galeazzo Sforza (Kris 1929, Nr. 86) für diesen Künstler als gesichert. Diesem Künstler wird seit langem auch ein Onyx-Kameo mit Ludovico il Moro in Florenz (Kris 1929, Nr. 85) zugeschrieben. Es erscheint zu gewagt, auch die Kasseler Kamee mit demselben Künstler, nämlich Domenico dei Cammei, in Verbindung zu bringen. In jedem Fall muß der Kasseler Kameo von einer bedeutenden Hand stammen.
Eine stilistische Verwandtschaft zeigt ein männliches Brustbild in Wien (Eichler/Kris 1927, Nr. 340; derselbe Typ Nr. 341) mit derselben Auffassung bei der Gewandbehandlung, vor allem derselben Art des Augenschnitts, der charakteristischen Mundfalte und der ornamentalen Haarbehandlung.
Stand: November 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. I. 19.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. III. 19.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 19.
Literatur:
- Schnackenburg-Prael, Heidi: Ein Blick auf die Kameensammlung des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel. In: Jahrbuch 2014 (2015), S. 116-123, S. 118, Abbildung S. 118.
Letzte Aktualisierung: 12.03.2026