Halbfigur der Diana oder Omphale
Halbfigur der Diana oder Omphale
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-III-30 |
| Bezeichnung:
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Halbfigur der Diana oder Omphale |
| Künstler / Hersteller:
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Ottavio Miseroni (1568 - 1624)
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| Datierung:
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um 1605 |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Prag |
| Material / Technik:
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rosafarbenes Inkarnat und weißes Tuch aus Chalcedon; Gewandteil aus moosgrünem und Fell aus gelb-braunem Jaspis, Haare aus Karneol, Teile auf einer transluziden hellbeigen Chalcedonplatte befestigt |
| Maße:
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5,51 x 4,02 x 0,69 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ D): "B III 32"; Aufkleber: Aufkleber, lose (Typ B): "I 30";
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Katalogtext:
Bei dieser großen Kamee handelt es sich um ein außergewöhnliches Stück. Der bisher anonym geführte Commesso dürfte ein eigenhändiges Werk von Ottavio Miseroni (1568-1624) sein, einem der Hofkünstler Kaiser Rudolfs II. und Erfinder dieser Art der Commesso-Technik. Unter einem "Reliefcommesso" (den Begriff prägte Rudolf Distelberger) versteht man Kompositarbeiten aus verschiedenfarbigen Edelsteinmaterialien, in diesem Fall aus fünf verschiedenen, die zu einer Einheit zusammengesetzt worden sind. Der Begriff 'Commesso' leitet sich vom italienischen commettere 'zusammensetzen' ab. Die neuartige Erfindung von Miseroni, der als einer der bedeutendsten Glyptiker der Spätrenaissance gilt, bestand darin, daß er die bereits bekannte Pietra-dura-Technik auf die Kamee in Relieftechnik übertrug.
Die Halbfigur einer Frau, nach links ins Profil gewendet, könnte Diana oder Omphale darstellen. Der Stein wirkt durch seine reiche Farbigkeit. Das rosige Inkarnat und das weiße, um den Hals gefältelte schmale Tuch sind aus Chalcedon, die streifig gestalteten Haare aus rötlichem Karneol. Ein flach nach oben und unten gezogenes Haarteil am Hinterkopf ist bis auf den mittleren Ansatz verloren. Das Gewand ist aus dunklem, grün-blauem Moosachat mit rot-gelb gesprenkelten Einschlüssen, der Umhang mit dem Löwenmaskaron über der Schulter aus ockerfarbenem Jaspis. Alle Teile sind auf einer transluziden hellbeigen Chalcedonplatte in hochovaler Form befestigt.
Im 16. und 17. Jahrhundert sind signierte Kameen äußerst selten. Dementsprechend rar sind Zuschreibungen an bestimmte Steinschneider. Ottavio Miseroni signierte selbstbewußt mit seinem Monogramm "OM" oder "Ott.M.", außerdem sind zahlreiche Werke aufgrund archivalischer Belege für ihn überliefert, so daß Rudolf Distelberger (in: AK Wien 2002, Nr. 142-171) ein Oeuvreverzeichnis Miseronis zusammenstellen konnte. Bei dem hier besprochenen Commesso kann man seine charakteristischen Stilmerkmale finden, die bereits bei Eichler und Kris (Eichler/Kris 1927, Nr. 302-305) ausführlich angesprochen und von dem signierten Marien-Commesso in Wien (Eichler/Kris 1927, Nr. 302) abgeleitet wurden: die weiche Linienführung und Modellierung, das klare Profil, die mandelförmigen Augen mit schwellenden Lidern, der gerade und lang wirkende Übergang zur schmalen Nase, der ernste Mund, die charakteristische Kinnlinie und der lange Hals mit der eingezogenen Ansatzlinie zum Schlüsselbein.
Der hier besprochene Commesso trägt auf der Rückseite das Klebeetikett "B III 32", es ist wohl versehentlich mit der Nr. "30" vertauscht worden, da dort alle Angaben übereinstimmen. Völkel und Pinder identifizieren die Dargestellte mit "Crispina". Die Daten von Crispinas kurzem Leben werden mit 164-188 n. Chr. angegeben. Seit 178 war sie Gemahlin des Kaisers Commodus und besaß Münzrecht und Augustatitel. Ein Vergleich mit gesicherten Porträts der Kaiserin läßt diese Identifizierung als wenig überzeugend erscheinen. Im römischen Münzbild hat Crispina eine auffallend gebogene Nase, von dem das geradlinige Profil der Kasseler Kamee deutlich abweicht. Möglicherweise kamen Völkel und Pinder deshalb auf Crispina, weil das Löwenfell über der linken Schulter der Frauenbüste als Anspielung auf Commodus verstanden wurde, der sich mit Herakles identifizierte, und weil Crispina als schlichte, schöne und ernste Frau galt. Der Löwenmaskaron als einziges Attribut könnte jedoch auch auf eine mythologische Gestalt hinweisen: In Frage kommen Diana oder Omphale.
Hinzuweisen ist auf ein verblüffendes Parallelstück, einen etwas kleineren "Diana"-Commesso in Kopenhagen (De Danske Kongers Kronoligske Samling, Inv.Nr. 42142). Bei der dort Dargestellten ist der untere Teil an dem zusammengeknoteten Haarteil am Hinterkopf noch erhalten. Möglicherweise handelt es sich bei dem Kopenhagener Exemplar um eine Variante des Kasseler Stücks aus der Prager Werkstatt.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. I. 30.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. III. 30.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 30.
Literatur:
- Heidi Schnackenburg-Praël: Ottavio Miseroni. Ein Edelstein-Commesso des Hofkünstlers Kaiser Rudolfs II. im Hessischen Landesmuseum Kassel. In: Weltkunst 68, Heft 9, September 1998. 1998, S. 1722-1724.
- Schmidberger, Ekkehard; Richter, Thomas; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: SchatzKunst 800-1800. Kunsthandwerk und Plastik der Staatlichen Museen Kassel im Hessischen Landesmuseum. Wolfratshausen 2001, S. 152f.
- Schnackenburg-Prael, Heidi: Ein Blick auf die Kameensammlung des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel. In: Jahrbuch 2014 (2015), S. 116-123, S. 121-122, Abbildung S. 122.
Letzte Aktualisierung: 12.03.2026