Halbfigur der Maria Orans
Halbfigur der Maria Orans
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-II-13 |
| Bezeichnung:
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Halbfigur der Maria Orans |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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um 1300 |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Byzanz |
| Material / Technik:
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transluzides Violett |
| Maße:
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1,81 x 1,66 x 0,78 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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im Feld links: "MP" (griechische Beischrift); im Feld rechts: "ΘY" (griechische Beischrift);
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Katalogtext:
Halbfigur der Maria en face, mit griechischer Beischrift. Der leicht nach rechts gedrehte Kopf ist von einem großen Nimbus umgeben. Der Kopf ist mit einem Tuch umhüllt, das Gewand mit diagonal verlaufenden Falten umgibt den Körper kegelförmig. Als Orantin sind die Hände betend vor dem Körper erhoben.
Wentzel erwähnt, daß bei Saphir und Amethyst keine abendländischen Imitationen bekanntgeworden sind (Wentzel 1960, S. 90) und hält diese Kasseler Kamee und B XVI. Tab. B-II-34 aus Saphir für byzantinisch. Wentzel spricht von dem "auffallend Schlanken der Erscheinung" und von der "flache[n] Modellierung des Körpers mit den betont, ja, ungewöhnlich stark plastisch vortretenden Köpfen; allerdings geht die ins länglich Ovale gesteigerte, dabei aber zierliche Form des Hauptes bei den beiden Kasseler Kameen noch über die genannten Vergleichsbeispiele heraus". Dieses Phänomen des Grazilen und Überschlanken setzt er in die Paläologenzeit. Die "merkwürdige Überlängung der Köpfe mutet geradezu kegelförmig an". Er bezeichnet die beiden Kasseler Kameen als "paläologisch der Zeit um 1300", also aus der letzten Blütezeit der byzantinischen Kunst.
Als stilverwandt fallen zwei Kameen am Kreuz aus Chiaravalle in S. Maria presso S. Celso in Mailand auf (Wentzel 1957/2, Nr. 24, Abb. 7a und b; Anm. 24) auf, sie sind jedoch im Typus anders, nämlich im Dreiviertelprofil nach rechts und nicht mit den erhoben betenden Händen.
Wentzel erwähnt (Wentzel 1959, S. 10f., Abb. 1) eine einzige datierte byzantinische Kamee im Victoria and Albert Museum in London mit der Halbfigur der Maria, die durch eine griechische Inschrift mit dem Herrschernamen des Nikephoros Botaneiates in die Jahre 1078-1081 datiert werden kann. Diese große Serpentinkamee zeigt denselben Gestus der Hände wie die hier vorliegende Kamee aus Amethyst, allerdings sind die Hände dort seitlich des Körpers erhoben.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VI. 13.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. II. 13.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. V. 44.
Literatur:
- Wentzel, Hans: Das Medaillon mit dem hl. Theodor und die venizianischen Glaspasten im byzanthinischen Sil. In: Festschrift Meyer (1957), S. 50-67, Kat.Nr. Nr. 24, Abb. 7a, b, Anm. 24.
- Wentzel, Hans: Datierte und datierbare byzantinische Kameen. In: Festschrift Friedrich Winkler (1959), S. 9-21, S. 10f, Kat.Nr. 1.
- Wentzel, Hans: Die byzantinischen Kameen in Kassel. Zur Problematik der Datierung byzantinischer Gemmen. In: Mouseion. Studien aus Kunst und Geschichte für Otto H. Förster (1960), S. 88-96, S. 90, Kat.Nr. 82.
Letzte Aktualisierung: 17.03.2026