Brustbild eines Mohren



Brustbild eines Mohren


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-II-15
Bezeichnung: Brustbild eines Mohren
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: um 1600
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Mailand
Material / Technik: zweischichtig, mit Bänderung, das Relief aus der oberen dunkelbraunen Schicht, mit rosa-violetter vorwiegend vertikaler Streifung, der transparente Hintergrund in Hellbeige, im unteren Teil hellbraun
Maße: 3,34 x 2,29 x 0,52 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "IV 40";


Katalogtext:
Wegen der dunklen Steinschicht für das Inkarnat und der negroiden Gesichtszüge mit kurzen Locken und wulstigen Lippen als Darstellung eines Mohren zu interpretieren. Die porträthafte Physiognomie zeigt eine angebohrte Pupille, das Profil eine gebogene Nase und lebendige Wangenmodellierung. Die Haare sind in schematischer Reihung stilisiert, am Ohr Perlenschmuck. Der Habitus ist der eines antiken Imperators mit Rüstung im Profil nach rechts, darüber eine Toga, die in gleichmäßigen Falten schüsselformig vor der Brust herabfällt. Charakteristisch für diesen Steinschnitt ist die Bearbeitung in einer Art von flächigem Zweischichtenrelief.
In der Renaissance waren Mohrendarstellungen sehr beliebt, sie wurden vor allem in Oberitalien hergestellt, im Kreis der für Kaiser Rudolf II. geschaffenen Kunstwerke (L. Seelig, in: AK München 2002, S. 87). Verwendet wurden hauptsächlich kontrastreiche polychrome Steine, die sich für diesen Darstellungstypus (dunkles Porträtrelief vor hellem Hintergrund) eigneten.
Ein stilistisch vergleichbares Exemplar, dessen Bearbeitung eine ähnliche Ausdruckskraft zeigt, befindet sich in der Wiener Kunstkammer. Es wird von Lorenz Seelig verallgemeinernd "Oberitalien, spätes 16. Jahrhundert" (L. Seelig, in: AK München 2002, Nr. 69) eingeordnet.
Zum Thema des Mohren siehe die ausführliche Besprechung bei B XVI. Tab. B-V-5.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VI. 15.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. II. 15.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. IV. 40.
Literatur:
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Letzte Aktualisierung: 12.03.2026



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