Halbfigur des hl. Theodor Tiro



Halbfigur des hl. Theodor Tiro


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-II-20
Bezeichnung: Halbfigur des hl. Theodor Tiro
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 1. H. 13. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Byzanz
Material / Technik: dunkelgrün bis dunkelbraunrot
Maße: 3,03 x 2,9 x 1 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: im Feld links: "O (?) / Θ/E/O" (griechische Buchstaben);
im Feld rechts: "Δ/ω/PO/C" (griechische Buchsraben);
Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ E): "I 5";


Katalogtext:
In strenger Frontalität ein Brustbild des heiligen Theodor Tiro mit großem, im Relief leicht erhöhtem Nimbus. Der kraushaarige Kopf mit dem spitz zulaufenden Bart ist plastisch herausgehoben. Der Heilige ist in Rüstung und mit über die linke Schulter diagonal fallendem Mantel dargestellt, davor ein Kampfschild. In seiner Rechten hält er die Lanze.
Der heilige Theodor Tiro gehört zu den wichtigsten und ältesten "Soldatenheiligen". Er diente im Heer des Kaisers Maximinanus. Zu Beginn der Christenverfolgung stellte er sich gegen den Kaiser, wurde gemartert und verbrannt. Er war Patron des byzantinischen Heers und bis in das 13. Jahrhundert ein Stadtheiliger Venedigs.
Wentzel hält diesen Kameo wie die beiden anderen Kasseler Heliotropkameen (B XVI. Tab. B-II-5, B XVI. Tab.B-II-11) für byzantinisch (Wentzel 1960, S. 90f.). Er findet die Haartracht und die Bewaffnung des Heiligen für Theodor ungewöhnlich. Seiner Meinung nach ist "die Figur in kräftigem Relief und in sehr markanten Schnittlinien geformt, kräftiger noch als die Kasseler Christuskamee aus Heliotrop (B-II-5)" (Wentzel 1960, S. 92). Wentzel scheidet bei der Theodor-Kamee das 9. und 10. Jahrhundert aus, meint aber, daß die Neigung zu einer Art Realismus nicht zu den Stücken des 12. Jahrhunderts paßt. Dann stellt er die Frage, ob diese Kamee "ein Beispiel der vielschichtigen Paläologenkunst darstellt".
Als Vergleichsstück erwähnt Wentzel die Kasseler "Heliotropkamee des hl. Theodor (Büste in Kreisrund)" (Wentzel 1956, S. 271). Putzko veröffentlichte eine eng verwandte zweiseitige Kamee aus dem Historischen Museum in Kiew mit den Heiligen Theodor Tyron und Theodor Strasilatius.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VI. 20.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. II. 20.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. I. 5.
Literatur:
  • Hans Wentzel: Mittelalterliche Gemmen in den Sammlungen Italiens. In: Mitteilungen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz 7, Heft III/IV, S. 239-278. 1956, S. 271.
  • Wentzel, Hans: Die byzantinischen Kameen in Kassel. Zur Problematik der Datierung byzantinischer Gemmen. In: Mouseion. Studien aus Kunst und Geschichte für Otto H. Förster (1960), S. 88-96, S. 91 f., 90-92, Kat.Nr. 86.


Letzte Aktualisierung: 12.03.2026



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