Papst Pius V.



Papst Pius V.


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-II-27
Bezeichnung: Papst Pius V.
Künstler / Hersteller: Giovanni Antonio dei Rossi (1517 - 1575)
Datierung: 2. H. 16. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Rom
Material / Technik: zweischichtig: Relief aus der oberen weißen Schicht, Hintergrund grau mit weißer Bänderung
Maße: 5,92 x 4,6 x 1,79 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Brustbild eines Papstes, im Profil nach rechts, mit langem Vollbart, gefurchter Stirn und Alterszügen. Er trägt die Mozzetta, den päpstlichen Schulterkragen, und als Kopfbedeckung den Camauro. Die bisher unbestimmte Darstellung kann eindeutig identifiziert werden: Die markanten Gesichtszüge mit stark gebogener Nase sind für Papst Pius V. (1504-1572, Papst ab 1566) typisch. Spätere Darstellungen von Pius V. sind häufig anläßlich seiner Selig- und Heiligsprechung in Auftrag gegeben worden. Physiognomisch und in der Kleidung vergleichbar ist eine aus späterer Epoche stammende vergoldete Rundplakette aus Bronze mit dem Bildnis des Pius V. in der Wiener Kunstkammer (Inv.Nr. KK 10150) und ein entsprechendes Medaillon in Schwerin (AK München 1997, Nr. 18).
In seiner Klarheit und Monumentalität zeigt dieser Steinschnitt außergewöhnliche Qualität, so daß man an einen bedeutenden Steinschneider denken muß. In Frage käme Giovanni Antonio dei Rossi, von dem Medaillen mit Pius V. aus den Jahren 1569 und 1570 bekannt sind (Armand 1883, Bd. I, S. 246, 17ff. und Bd. III, S. 116). Von ihm existieren ein Terrakottarelief mit der Darstellung "Verbrennung verbotener Schriften. Pius V. mit Gefolge, vor ihm kniend Ferdinand von Medici als Kardinal" (Kris 1929, Nr. 318, Taf. 77), und ein signierter Kameo mit Pius V. (bezeichnet "IO.ANT.R." und "PIVS.V.P.M.") im Louvre in Paris (Kris 1929, Nr. 311, 317, Taf. 78).
Das Oeuvre des G. A. dei Rossi ist bisher noch nicht zusammengestellt worden. Es befremdet etwas, wenn man den Pariser Steinschnitt mit dem Kasseler Stück vergleicht. Das berühmteste Stück von Rossi - "Cosimo I. und die Seinen" (Kris 1929, Nr. 309, Taf. 76) - befindet sich in Florenz. Diesem beeindruckenden Cameo in seinem eindringlichen Naturalismus, für den Rossi gerühmt wurde, kommt das Kasseler Papstporträt nahe, ohne aber ganz den gleichen lebensnahen individuellen Ausdruck zu erreichen. Auffallend ist der ähnliche Chalcedonachat mit der charakteristischen Farbe von Weiß bis Grau mit hellen rötlichbräunlichen Einschlüssen. Außerdem zeugt der Kasseler Papst-Kameo von derselben Monumentalität, die man in nachantiker Zeit selten wiederfindet.
Rossi war einer der namhaftesten Glyptiker der italienischen Renaissance, er stand in Diensten des Großherzogs Cosimo, ab 1561 war er neben Cesati an der Zecca tätig. Er selbst nannte sich "intagliatore di cammei". Kris beschreibt seinen Porträtstil wie folgt: "die lockere, plastisch wirkende Haarbehandlung, die feine Charakteristik stofflicher Details oder die glattpolierte Gesichtshaut sind unverkennbare Merkmale für die Hand des Künstlers und seine Meisterschaft" (Kris 1929, S. 78ff.). Sein Prunkstück in Florenz mit der Familie des Großherzogs Cosimo I. ist der größte Kameo, der uns aus nachantiker Zeit erhalten ist. Die vorliegende Kamee verdiente in diesem Zusammenhang eine eingehendere Diskussion.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VI. 27.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. II. 27.
  • Verzeichniß der aus der Gemmen=Sammlung in den Preziosenschrank versetzten geschnittenen Steine und Muscheln, die unterstrichenen sind nicht gefaßt, Cassel, den 19. April 1881. A. Lenz. SMK, Archiv HLM. 1881, Nr. IV. 172.
Literatur:
  • Kris, Ernst: Meister und Meisterwerke der Steinschneidekunst in der italienischen Renaissance. Wien 1929, S. 78ff, Kat.Nr. Nr. 309, Taf. 76, Nr. 311, 317, Taf. 78, Nr. 318, Taf. 77.
  • Schnackenburg-Prael, Heidi: Ein Blick auf die Kameensammlung des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel. In: Jahrbuch 2014 (2015), S. 116-123, S. 120, Abbildung S. 120.


Letzte Aktualisierung: 16.03.2026



© Hessen Kassel Heritage 2026
Datenschutzhinweis | Impressum