Kamee mit dem Erzengel Michael



Kamee mit dem Erzengel Michael


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-II-28 (B II.632)
Bezeichnung: Kamee mit dem Erzengel Michael
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: um 1204 - 1264; wohl 16. Jh., Fassung
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Byzanz
Material / Technik: zweischichtig: dunkelbraunes Relief auf weißem Grund
Maße: 3,71 x 2,77 x 0,85 cm (Objektmaß)
mit Öse 6,01 x 3,47 cm mit Fassung (Objektmaß)
Beschriftungen: im oberen Feld links: "AE" (griechische Buchstaben);
im oberen Feld rechts: "M";
Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ D): "31";


Katalogtext:
Der Erzengel Michael in ganzer Figur, gerüstet mit Panzer, Helm und Mantel, ist in strenger Frontalität, leicht nach rechts blickend, dargestellt. Er ist geflügelt, hält das gezogene Schwert in der Rechten und die Scheide in der Linken. Der Nimbus ist in den weißen Hintergrund eingeritzt, ähnlich undeutlich wie die Buchstaben links und rechts. Die Figur des heiligen Michael tritt plastisch hervor und wirkt exponiert durch den dunklen Braunton vor der hellen Hintergrundschicht. Das Fehlen einer Bodenplatte oder Standlinie bewirkt eine leicht schwebende Erscheinung.
Der Erzengel mika'el (hebr. "wer ist wie Gott") ist der oberste der Engel und wird als Anführer der himmlischen Heerscharen und als Begleiter der Seelen der Verstorbenen verehrt.
Wentzel bezeichnet die Kasseler Kamee als vornehmstes Beispiel einer Michaels-Kamee und vergleicht sie mit der Münchner Michaels-Kamee (Wentzel 1957/2, S. 53, Abb. 11), die farblich umgekehrt, mit heller Figur vor dunklem Grund, konzipiert ist. Er vertritt die Ansicht (Wentzel 1960, S. 93), daß man bei der Kasseler Kamee "vielleicht an einen Versuch der Auseinandersetzung mit westlichen Gestaltungsprinzipien zur Zeit der Lateinerherrschaft in Konstantinopel von 1204 bis 1264 denken darf, vielleicht sogar an eine Arbeit für mitteleuropäische Auftraggeber". Weber dagegen datiert zumindest die Münchner Michaels-Kamee als Kopie eines byzantinischen Vorbilds ins 16./17. Jahrhundert (Weber 1992, Nr. 211). Sie greift Argumente aus Möbius' Beschreibung des Kasseler Stückes heraus: "In der Ausführung zeigt sich, wie sehr das technische Können der Antike schon verlorengegangen ist: der Grund ist ungleichmäßig geglättet, und das Schwert des Erzengels liegt mit dem Griff in der braunen, mit der Spitze in der weißen Schicht".
Diese Kamee gehört zu den fünf Sardonyxkameen (B XVI. Tab. B-II-14, B XVI. Tab. B-II-22, B XVI. Tab. B-II-25, B XVI. Tab. B-II-28, B XVI. Tab. B-II-29), die Wentzel als byzantinische Gruppe des 13. Jahrhunderts zusammenfaßt (Wentzel 1960, S. 93).
Möbius und Weber erwähnen, daß diese Kamee mit anderen "byzantinischen" Stücken über Venedig (Sammlung Capello) nach Kassel gelangte. Bisher konnte für diese Provenienz keine Bestätigung gefunden werden, es kann daher lediglich weiter nur bei einer Vermutung bleiben.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VI. 28.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. II. 28.
  • Verzeichniß der im Pretiosen Schrank befindlichen Gegenstände. / In dem folgenden Verzeichniße sind alle Gegenstände beschrieben, die sich gegenwärtig (1827) im Pretiosen Schrank befinden. [...] Dr. Völkel. SMK, Archiv HLM. 1827, Nr. B II. 632.
  • Verzeichniß der aus der Gemmen=Sammlung in den Preziosenschrank versetzten geschnittenen Steine und Muscheln, die unterstrichenen sind nicht gefaßt, Cassel, den 19. April 1881. A. Lenz. SMK, Archiv HLM. 1881, Nr. V. 632.
Literatur:
  • Möbius, Hans: Kameenschmuck im hessischen Landesmuseum. In: Gold - Silber - Eisen. Festschrift. (1929), S. 252-254, S. 54, Kat.Nr. Taf. 16b.
  • Wentzel, Hans: Das Medaillon mit dem hl. Theodor und die venizianischen Glaspasten im byzanthinischen Sil. In: Festschrift Meyer (1957), S. 50-67, S. 53, 62, Kat.Nr. Nr. 18, Abb. 11a u. 11.
  • Wentzel, Hans: Die byzantinischen Kameen in Kassel. Zur Problematik der Datierung byzantinischer Gemmen. In: Mouseion. Studien aus Kunst und Geschichte für Otto H. Förster (1960), S. 88-96, S. 93, Abbildung S. Nr. 83.
  • Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. 211.
  • Schmidberger, Ekkehard; Richter, Thomas; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: SchatzKunst 800-1800. Kunsthandwerk und Plastik der Staatlichen Museen Kassel im Hessischen Landesmuseum. Wolfratshausen 2001, S. 50, Abbildung S. 51, Kat.Nr. 9.
  • Schnackenburg-Prael, Heidi: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel (Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel). Kassel 2006, Kat.Nr. B XVI. Tab. B-II-28 (B II.632).
  • Schnackenburg-Prael, Heidi: Ein Blick auf die Kameensammlung des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel. In: Jahrbuch 2014 (2015), S. 116-123, S. 117, Abbildung S. 117.
  • Scherner, Antje [Bearb.]; Cossalter-Dallmann Stefanie [Bearb.]: Aus der Schatzkammer der Geschichte. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Petersberg 2016, S. 110, Abbildung S. 110.


Letzte Aktualisierung: 13.03.2026



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