Halbfigur des Propheten Daniel
Halbfigur des Propheten Daniel
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-II-29 |
| Bezeichnung:
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Halbfigur des Propheten Daniel |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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1. H. 13. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Byzanz |
| Material / Technik:
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dreischichtig: Relief in Mittel- bis Dunkelbraun auf weißem Grund, Rückschicht von Grau bis Dunkelbraun |
| Maße:
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2,33 x 1,67 x 1,09 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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im Feld links: "O / ΠP/O" (griechische Buchstaben); im Feld rechts: "Δ/N/H/Λ" (griechische Buchstaben);
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Katalogtext:
Daniel in Frontalansicht ist im üblichen Schema jugendlich und bartlos dargestellt. Seine Attribute sind Judenhut und Spruchband. Sein Überwurf ist an der Brust durch eine Schließe zusammengefaßt. Vor seinem Körper hält der Prophet die Papyrusrolle quer, darauf sind undeutliche Buchstaben zu erkennen. Die Formgebung ist insgesamt auf das Wesentliche reduziert, der zusammenfassende Umriß dominiert über die Binnenform. Der Nimbus und die Buchstaben links und rechts sind schwach in den hellen Grund eingeritzt. Auffällig ist die starke Basis des Steinschnitts.
Diese Kamee gehört zu den fünf Sardonyxkameen (B XVI. Tab. B-II-14, B XVI. Tab. B-II-22, B XVI. Tab. B-II-25, B XVI. Tab. B-II-28, B XVI. Tab. B-II-29), die Wentzel als byzantinische Gruppe der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts zusammenfaßt (Wentzel 1960, S. 93). Wentzel vertritt die Ansicht, daß die besten byzantinischen Daniel-Kameen den Propheten als Halbfigur zeigen: "so je ein Exemplar in Kassel (Hess. Landesmuseum) und in Venedig (Museo Correr, Inv.Nr. 501), beide 2,3 cm groß" (Wentzel 1957/2, S. 52). Bei der Kasseler Figur vermutet er, daß der Steinschnitt formelhaft ältere und reicher differenzierte Vorbilder aus Heliotrop und anderen Halbedelsteinen wiederholt (Wentzel 1960, S. 93). Auffällig ist die Ähnlichkeit des Gesichtstyps des Propheten Daniel von Sagorsk (Wentzel 1960, Abb. 96), so daß Wentzel sogar (Wentzel 1960, S. 93) von derselben Werkstatt oder derselben Werkstatt-Tradition spricht.
Putzko ordnet byzantinische oder ihnen nachgebildete Kameen (Putzko 1975, S. 174f.) nach ikonographischen Merkmalen einer Gruppe zu, bei der die "frontale Darstellung des himmlischen Kriegers charakteristisch ist, mit dem Schwert in der Rechten und der Scheide in der Linken". Als Variante rechnet er auch den Kasseler Sardonyx dazu.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VI. 29.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. II. 29.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. V. 38.
Literatur:
- Hans Wentzel: Mittelalterliche Gemmen in den Sammlungen Italiens. In: Mitteilungen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz 7, Heft III/IV, S. 239-278. 1956, S. 273, Kat.Nr. 109.
- Wentzel, Hans: Das Medaillon mit dem hl. Theodor und die venizianischen Glaspasten im byzanthinischen Sil. In: Festschrift Meyer (1957), S. 50-67, S. 52.
- Wentzel, Hans: Die byzantinischen Kameen in Kassel. Zur Problematik der Datierung byzantinischer Gemmen. In: Mouseion. Studien aus Kunst und Geschichte für Otto H. Förster (1960), S. 88-96, S. 92f, Kat.Nr. 88.
- Wassilij Putzko: Die zweiseitige Kamee in der Walters Art Gallery in Baltimore. In: Beiträge zur Kunst des Mittelalters. Festschrift für Hans Wentzel zum 60. Geburtstag. Berlin 1975, S. 174f.
Letzte Aktualisierung: 12.03.2026