Minerva



Minerva


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-IV-6
Bezeichnung: Minerva
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: um 1600
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Oberitalien
Material / Technik: milchig weißes Relief auf grau geflecktem weißem Grund; Rückseite mit dunkelgrauer horizontaler Streifung; unausgeglichener grob belassener Rand
Maße: 2,63 x 2,15 x 0,88 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "II 6";


Katalogtext:
Das in zahlreichen Varianten dargestellte Brustbild der Minerva in Schuppenpanzer und mit Helm auf langem offenem Haar. Der Körper in Dreiviertelansicht, der Kopf ins Profil nach links gewendet. Das Visier des Helmes in Form einer bärtigen Maske, am Helmkessel Ranken, darüber ein Federbusch, das Ohr liegt frei.
Charakteristisch für diese Kamee sind der kraftvolle Schnitt und der Glanz, der durch das starke Polieren der Oberfläche erzeugt wurde, auffällig am Profil das scharfe Kinn und der eingezogene Mund. Eine eng verwandte Minerva-Kamee bei Horst Ulbo Bauer (Bauer 1963, Nr. 36) und bei Weber (Weber 1992, Nr. 67), beide größer und mit Gorgoneion. Bei Weber (Weber 1992, Nr. 67) wird eine weitere Minerva-Kamee mit Inv.Nr. 637 erwähnt, die wie die hier besprochene Kamee kein Gorgoneion und vermutlich dieselbe Größe hat.
Der Minerva-Typus ist auf Steinschnitten des 16./17. Jahrhunderts sehr häufig vertreten, vor allem bei Applikationskameen für Pokale, Schalen oder ähnliche Objekte der Goldschmiedekunst. Einige Kameen dieser Serienproduktion stammen aus derselben Werkstatt, waren möglicherweise an demselben Gegenstand befestigt und könnten von dem Vorbesitzer Capello nach ihrer Separierung als Einzelstücke an Landgraf Karl und an Johann Wilhelm von der Pfalz verkauft worden sein.
Obwohl das vorliegende Stück von Lenz in der Verlustliste der 1813 nach Paris entführten Gemmen aufgeführt ist, trägt es einen entsprechenden Aufkleber des 19. Jahrhunderts ("II 6", Typ B, Inventar Pinder 1882-1897) und paßt auch größenmäßig recht gut in die Tablarmulde, so daß man davon ausgehen kann, daß es sich um das ursprüngliche Stück handelt.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VII. 6.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. IV. 6.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. II. 6.
Literatur:
  • Horst Ulbo Bauer: Die Gemmensammlung Louis Rheins. In: Neußer Jahrbuch für Kunst, Kulturgeschichte und Heimatkunde 1963. 1963, Kat.Nr. Nr. 36 (mit weiterer Lit.).
  • Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. Nr. 67.


Letzte Aktualisierung: 16.03.2026



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