Weibliches Brustbild
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-IV-19 |
| Bezeichnung:
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Weibliches Brustbild |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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um 1580; Fassung zeitgleich |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Mailand |
| Material / Technik:
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weißes Relief auf hellgrauem Grund |
| Maße:
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1,87 x 1,4 x 0,8 cm (Objektmaß) Fassung 3,12 x 2,41 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ D): "641";
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Katalogtext:
Dieses zierliche Schmuckstück könnte von einem Mitglied des landgräflichen Hauses getragen worden sein. Man würde gern wissen, von wem. Die vier Ösen sprechen dafür, daß das Kleinod als Agraffe auf ein Kleidungsstück genäht werden sollte. Das Kameenbild zeigt ein in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts verbreitetes Brustbild einer Frau im Profil nach rechts, mit reich dekorierter Frisur und feingefälteltem Gewand, die rechte Hand im Rede- oder Zeigegestus erhoben.
Die dargestellte Frau läßt sich nicht benennen; dieser Typus wurde bei den Renaissance-Kameen beinahe serienmäßig in allen möglichen Varianten hergestellt. Zuweilen ist die Frau durch eine Schlange als Kleopatra oder durch einen Dolch als Lucretia charakterisiert. Weber bezeichnet diese Art der Darstellung als einen der häufig variierten Frauentypen auf Renaissancekameen (Weber 2001, Nr. 80). Die Bedeutung des hier vertretenen Typus mit dem sogenannten Zeigegestus ist noch ungeklärt.
Die Figur ist eng eingepaßt, die Dargestellte sprengt gewissermaßen die Steinumrandung zu der kunstvollen und besonders anmutig wirkenden Emailumrahmung.
Das Schweifwerk der Emailfassung läßt sich wie der Steinschnitt in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts datieren. Etwa zeitgleich wird ein anderer fürstlicher Schmuck (R.-A. Schütte, in: Kat. Kassel 2001, S. 120f.) im Hessischen Landesmuseum in Kassel zu datieren sein, eine Hutschnur Ludwigs IV. zu Oberhessen mit acht sogenannten Rosen und einer Agraffe mit dem heiligen Georg. Dieses Ensemble wurde mit anderen Kleinodien im Jahre 1823 aus den Särgen in der lutherischen Kirche in Marburg gehoben. Hackenbroch (Hackenbroch 1979, S. 166f., Abb. 449) hat diese Georgs-Agraffe von einem Goldschmiedemodell aus Blei eines Augsburger oder Nürnberger Formgießers abgeleitet und ordnet dieses Kleinod dem süddeutschen Raum zu.
Die Steinschneidearbeit des hier besprochenen Schmuckanhängers dürfte wohl eher in Mailand entstanden sein, möglicherweise in der großen Miseroni-Werkstatt. Die gefällige Fassung ist schwierig zu bestimmen, da Technik und Ornamentik in vielen Kunstzentren bekannt waren. Sie wäre in Mailand, aber auch im süddeutschen Raum vorstellbar.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VII. 19.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. IV. 19.
- Verzeichniß der im Pretiosen Schrank befindlichen Gegenstände. / In dem folgenden Verzeichniße sind alle Gegenstände beschrieben, die sich gegenwärtig (1827) im Pretiosen Schrank befinden. [...] Dr. Völkel. SMK, Archiv HLM. 1827, Nr. B II. 641.
- Verzeichniß der aus der Gemmen=Sammlung in den Preziosenschrank versetzten geschnittenen Steine und Muscheln, die unterstrichenen sind nicht gefaßt, Cassel, den 19. April 1881. A. Lenz. SMK, Archiv HLM. 1881, Nr. V. 641.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897.
Literatur:
- Möbius, Hans: Kameenschmuck im hessischen Landesmuseum. In: Gold - Silber - Eisen. Festschrift. (1929), S. 252-254, S. 57, Kat.Nr. Taf. 18a, c.
- Ingrid S. Weber: Geschnittene Steine aus altbayerischem Besitz. Kameen und Intaglien des 15. bis späten 17. Jahrhunderts in der Staatlichen Münzsammlung München. München/Berlin 2001, Kat.Nr. 80.
Letzte Aktualisierung: 13.03.2026