Omphale mit Löwenfell



Omphale mit Löwenfell


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-IV-31
Bezeichnung: Omphale mit Löwenfell
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: Anfang/Mitte 17. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: unbestimmt
Material / Technik: dreischichtig: Löwenhaupt mit dem Fellhaar honigfarben; Inkarnat und Fellhaare am Rand aus der mittleren weißen Schicht; Hintergrund aus der unteren orangefarbenen Schicht
Maße: 2,62 x 1,9 x 0,51 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Der Omphalekopf ist ins Profil nach rechts gesetzt, mit individuell geprägtem Gesichtsschnitt durch die überlängte Nase, den geöffneten Mund und das etwas stumpfe Kinn. Das Löwenhaupt ist mit dem aufgerissenen Rachen über den Kopf gestülpt, das Fell fällt in flammenartigen Strähnen herab, der Halsabschnitt ist mit dem nur angedeuteten Löwenknoten abgeschlossen.
Die relativ flach gearbeitete Kamee geht auf einen bestimmten antiken Typus des jugendlichen Herkules mit Löwenfell zurück, der sehr verbreitet war. Das berühmteste Exemplar, eine Sardonyxkamee "Herakles mit Löwenfell", befindet sich im Museo Nazionale in Neapel (Vollenweider 1966, S. 107, Taf. 42, Abb. 3 und Zwierlein-Diehl 1986, Nr. 858, Taf. 149). Eine Variante dieses Herkulestyps mit etwas abweichendem Profil und Ohraussparung entspricht der vorliegenden Kamee noch mehr. Als Glaspaste finden wir diesen Kameo im Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg (Zwierlein-Diehl 1986, Nr. 388, Taf. 70). Zwierlein-Diehl erwähnt, daß dieser Typus wohl irrtümlich auf das Siegel des Augustus zurückgeführt wird und diskutiert die Frage, ob Alexander gemeint war.
Ein populäres nachantikes Exemplar findet sich in einem Anhänger im British Museum in London (AK Pforzheim 1997, Nr. 26), der vor dem Jahre 1533 von Kaiser Karl V. Papst Clemens VII. geschenkt und von diesem an die Piccolomini-Familie weitergegeben wurde. Dabei handelt es sich um einen um 1520-30 datierten Doppelkameo, der auf der einen Seite Omphale zeigt, die Königin von Lydien, in deren Diensten Herkules stand. Herkules war ihr Geliebter, mit dem sie die Kleidung tauschte - sie trug sein Löwenfell, er ihre Frauenkleider. Auf der anderen Seite zeigt der Londoner Anhänger den antiken Helden Herkules. Die Seite, die unserem Kameo entspricht, muß bei dem Doppelkameo als Omphale interpretiert werden. Die Interpretation dieses Typus ist häufig schwer, da Herkules und Omphale das Löwenfell tragen.
Der Kameo dürfte aufgrund des bewegten Gesamteindrucks ins 17. Jahrhundert zu datieren sein. Im weitesten Sinne dürfte hinter der Profildarstellung der Typus der Tetradrachme von Alexander dem Großen (Hackenbroch 1979, Abb. 220) des 4. Jahrhunderts v. Chr. stehen.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VII. 31.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. IV. 31.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. II. 27.
Literatur:
  • Georg Lippold: Gemmen und Kameen des Altertums und der Neuzeit. Stuttgart 1922, Kat.Nr. Taf. 35, Nr. 1 u. 7.
  • Marie-Louise Vollenweider: Die Steinschneidekunst und ihre Künstler in spätrepublikanischer und augusteischer Zeit. Baden-Baden 1966.
  • Yvonne Hackenbroch: Renaissance Jewellery. London/München 1979, S. 87, Kat.Nr. 220.
  • Erika Zwierlein-Diehl: Glaspasten im Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg. Bd. I: Abdrücke von antiken und ausgewählten nachantiken Intagli und Kameen. München 1986, Kat.Nr. S. 168, Nr. 388, Taf. 70,S. 281, Nr. 858, Taf. 149.
  • Fritz Falk: Idol und Ideal. Das Bild des Menschen im Schmuck der Renaissance. Schmuckmuseum Pforzheim. Pforzheim 1997, Kat.Nr. 26.


Letzte Aktualisierung: 17.03.2026



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