Brustbild eines Mohren



Brustbild eines Mohren


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-IV-40
Bezeichnung: Brustbild eines Mohren
Künstler / Hersteller: Miseroni-Werkstatt
Datierung: 2. H. 16. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Mailand oder Prag
Material / Technik: zweischichtig: die figürliche Darstellung aus dem Obsidian, die Grundplatte aus dunkelrotem Jaspis mit schwarzen fadenartigen Einschlüssen
Maße: 2,77 x 1,72 x 1,23 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "II 36";


Katalogtext:
Der selten verwendete und kontrastreiche Stein hebt die figürliche Darstellung in kräftigem Schwarz von dem dunkelroten Grund deutlich ab. Die Gesichtszüge und die kleinen schematisierten Buckellocken sind mit großem Können gestaltet. Eine ähnliche Auffassung und Haarbehandlung zeigt ein doppelseitiger Kameo in Wien (L. Seelig, in: AK München 2002, Nr. 69). Der Dargestellte auf der vorliegenden Kamee wird en face gezeigt, der Kopf ist leicht nach links gewendet. Auf der rechten Brustseite ist das Gewand dekorativ drapiert, sein Randstreifen weist eine ornamentale Fältelung auf und ist über der Schulter geknotet. Die linke Schulter ist unbekleidet.
Das Relief ist ungewöhnlich erhaben, zeigt einen beinahe vollplastischen Charakter und trägt damit zur eindrucksvollen Wirkung der Kamee bei. Den Künstler dieser reizvollen Kamee darf man im Umkreis der rudolfinischen Kunst in der Miseroni-Werkstatt suchen. Ein ähnliches Stilempfinden in der glatten, großzügigen Oberflächenbearbeitung und in der geradezu bildhauerischen Qualität zeigt ein Anhänger in Wien (L. Seelig, in: AK München 2002, Nr. 68). Darstellungen Schwarzer Menschen sind in der Steinschneidekunst im 16. und 17. Jahrhundert ein häufiges Motiv (Dalton 1915, Nr. 215) und finden sich in zahlreichen Museen. Lorenz Seelig vertritt die Ansicht, daß die Kameen dieser Thematik weitgehend in norditalienischen Ateliers geschaffen wurden (L. Seelig, in: AK München 2002, Nr. 70).

Stand: April 2006, überarbeitet 2026


Inventare:
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. IV. 40.
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VII. 40.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. II. 36.
Literatur:
  • Ormonde Maddock Dalton: Catalogue of the engraved gems of the post-classical periods in the Department of British and Mediaeval Antiquities and Ethnography in the British Museum. London 1915, Kat.Nr. Nr. 215, Taf. X.
  • Jamnitzer, Moritz; Eikelmann, Renate [Hrsg.]; Seelig Lorenz [Bearb.]: Der Mohrenkopfpokal. München 2002, Kat.Nr. 68-70.


Letzte Aktualisierung: 02.04.2026



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