Trunkener Silen
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-IV-48 |
| Bezeichnung:
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Trunkener Silen |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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Anfang 17. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Italien |
| Material / Technik:
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weiße Reliefdarstellung auf schwarzem Grund |
| Maße:
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2,44 x 2,96 x 0,5 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "II 42";
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Katalogtext:
Bei dieser Glaspaste handelt es sich um ein antikisierendes Stück. Ein Silen auf einem Esel wurde in der Antike häufig dargestellt. Antike Stücke befinden sich in der Eremitage in St. Petersburg (Neverov 1971, Nr. 32; Neverov 1988, Nr. 57) und in Berlin (Furtwängler 1900, Taf. XLII, Nr. 63) in den verschiedensten Varianten. Häufig wird der Silen mit Thyrsosstab dargestellt. Bei unserem Stück hält der Silen eine Trinkschale und der Esel hat als Zutat eine Glocke um den Hals. Die Kamee zeigt insgesamt einen barocken Habitus und muß ins 17. Jahrhundert datiert werden. Bei Lippold (Lippold 1922, Taf. 112, Nr. 4) ist eine Gemme mit "Silen auf Esel in bacchischem Zug" von L. Pichler abgebildet, dort trägt der Esel gleichfalls eine Glocke um den Hals.
Die Figurengruppe ist eine Herauslösung der Silensgruppe aus der Darstellung eines antiken Sarkophagreliefs aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. (Berger/Krahn 1994, Nr. 137), auf dem eine triumphale Prozession von Bacchus und Ariadne dargestellt ist. Dieser Sarkophag befindet sich heute im Britischen Museum in London und gehörte in der Renaissance zu den berühmtesten antiken Bildwerken in Rom.
Die figürliche Reliefdarstellung bildet zu dem glatten, schwarzen Hintergrund einen kräftigen Kontrast. Die geringe Reliefhöhe wirkt durch den schlechten Erhaltungszustand und den unpräzisen Abdruck flau. Die Darstellung ist in den Details nur zu erahnen. Das Weinlaub im Haar des Silens ist verschliffen, der Esel trägt eine Glocke um den Hals. Auf dem Rücken des etwas störrischen Esels liegt der trunkene Silen mit einer Trinkschale in jeder Hand, den Inhalt verschüttend. Der kurzbeinige Silen wirkt naiv und und kindlich, irgendwie mißglückt. Die Gruppe ist auf eine Bodenleiste gestellt.
Wentzel (Wentzel 1956, S. 252) bespricht den Sonderfall der Kameen aus Glas oder Glaspasten. Er erwähnt, daß bereits in der Antike Glas als billiger Ersatz für Edelsteingemmen verwendet wurde. Dies wurde auch in nachantiker Zeit in Italien, desgleichen in Byzanz, fortgeführt. Wentzel spricht dann von einem besonderen Aufschwung der Herstellung von Glaskameen im 13. Jahrhundert und daß sich daraus geradezu eine "Industrie" entwickelt hätte. Als Hauptprovenienz gibt er Venedig an.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VII. 48.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. IV. 48.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. II. 43.
Literatur:
- Adolf Furtwängler: Die antiken Gemmen. Geschichte der Steinschneidekunst im klassischen Altertum. Leipzig / Berlin 1900, Kat.Nr. Taf. XLII, Nr. 63.
- Georg Lippold: Gemmen und Kameen des Altertums und der Neuzeit. Stuttgart 1922, Kat.Nr. Taf. 112, Nr. 4.
- Hans Wentzel: Mittelalterliche Gemmen in den Sammlungen Italiens. In: Mitteilungen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz 7, Heft III/IV, S. 239-278. 1956, S. 252.
- Oleg Neverov: Antique Cameos in the Hermitage Collection. Leningrad 1971, Kat.Nr. 32.
- Oleg Neverov: Antičnye kamei v sobranii Gosudarstvennogo Ermitaža (= Antike Kameen der Staatlichen Ermitage Leningrad). Leningrad 1988, Kat.Nr. 57.
- Berger und Krahn: Herzog-Anton-Ulrich-Museum Braunschweig. 1994, Kat.Nr. 137.
Letzte Aktualisierung: 17.03.2026