Löwe



Löwe


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-IV-49
Bezeichnung: Löwe
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 13./15. Jh. (?)
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Süditalien (?)
Material / Technik: dreischichtig: mittelbraunes Relief auf weißem Grund; Rückseitenschicht in Hellbraun
Maße: 1,56 x 2,35 x 0,65 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Ein Löwe in Seitenansicht, nach rechts gewendet, auf einem Bodenstreifen. Das Maul des Tieres ist drohend und zähnefletschend geöffnet. Die Mähne ist ornamental stilisiert. An der gesamten Vorderbein-Brust-Bauch-Linie ein perlstabartiger Rand als Fellstreifen. Gegen ein weibliches Tier spricht die Mähne. Die Vorderbeine sind nach vorne gestemmt. Wegen einer Absplitterung links ist der Schweif nicht mehr vorhanden und dessen Verlauf nicht mehr nachvollziehbar.
Weber erwähnt eine Gruppe von Kameen, die eine mittelalterliche Entstehung vortäuschen (Weber 1992, Nr. 215). Sie vertritt die Ansicht, daß solche neomittelalterlichen Steine im 17. Jahrhundert in Venedig gearbeitet und vertrieben wurden.
Die unklare Lokalisierung und fragliche Datierung ist bei den Löwen-Panther-Kameen häufig. Der hier besprochene Kameo zeigt ebenfalls eine bewußte Vereinfachung mit der Wirkung einer altertümelnden Note.
Ein ähnlicher Löwen-Kameo in London (Dalton 1915, Nr. 232), der sich einst in der Medici-Sammlung befand, wird ins 15. Jahrhundert datiert. Wentzel bespricht neben anderen Kameen drei Löwenkameen als Vorrenaissancearbeiten (Wentzel 1956, S. 251). Die "Medici" signierten Stücke müßten vor dem Tod von Lorenzo Medici 1491, also im Quattrocento, geschaffen worden sein. Diese Art von Antikenrezeption erscheint auf den ersten Blick antik, läßt sich jedoch nicht an die antiken Vergleichsstücke anschließen.
Eine gewisse Verwandtschaft in der Stilisierung, vor allem am Kopf, zeigt ein schreitender Löwe auf einem Kameo in St. Petersburg (AK Stuttgart 1977, Abb. 379a), der sogar um 1230 und nach Süditalien datiert wird.
Einheitliches Charakteristikum dieser Tiergruppe ist die Verwendung der braunen Achatschicht vor dem hellen Chalcedongrund. Wentzel betrachtet diese Gruppe von Braun-Weiß-Kameen mit dem ornamentalisierten Habitus als staufisch und datiert sie damit ins 13. Jahrhundert. Eine Entstehung im Mittelalter kann auch für den Kasseler Löwenkameo angenommen werden. Die blockhafte Bildung des Tierkörpers (AK Stuttgart 1977, Nr. 866, 867) folgt wie bei anderen Tieren dieser Phase in manchen Details sassanidischen Vorbildern.
Erika Zwierlein-Diehl (Archäologisches Institut der Universität Bonn) ist der Ansicht, daß die "fletschenden Zähne" des Löwen gegen eine Datierung in das 13. Jahrhundert sprechen und datiert die Kamee ins 15. Jahrhundert.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VII. 49.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. IV. 49.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. II. 44.
Literatur:
  • Ormonde Maddock Dalton: Catalogue of the engraved gems of the post-classical periods in the Department of British and Mediaeval Antiquities and Ethnography in the British Museum. London 1915, Kat.Nr. Nr. 232, Taf. X.
  • Hans Wentzel: Mittelalterliche Gemmen in den Sammlungen Italiens. In: Mitteilungen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz 7, Heft III/IV, S. 239-278. 1956, S. 251.
  • Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. Nr. 215.
  • Schnackenburg-Prael, Heidi: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel (Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel). Kassel 2006, Kat.Nr. B XVI. Tab. B-IV-49.
  • Bungarten, Gisela [Hrsg.]: Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, S. 385-386, Abbildung S. 485, Kat.Nr. X.35.


Letzte Aktualisierung: 17.03.2026



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