Phoenix



Phoenix


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-IV-56
Bezeichnung: Phoenix
Künstler / Hersteller: Giovanni Antonio Masnago, Werkstatt
Datierung: 2. H. 16. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Mailand
Material / Technik: zweischichtig: ockerbraunes Relief auf hellbraun-grau geflecktem Grund
Maße: 2,92 x 2,24 x 1,29 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ A): "60-64";


Katalogtext:
Ein Phoenix steht mit steil erhobenen Schwingen, nach links gewendet, auf seinem brennenden Nest. Den Kopf streckt er hoch zur Sonne, die ein Gesicht und Strahlenkranz aufweist.
Es existiert in der Kasseler Gemmensammlung ein weiterer Phoenix-Kameo (Inv.Nr. NT 389), der im Schatzkunst-Katalog (H. Schnackenburg-Praël, in: Kat. Kassel 2001, S. 123) ausführlich besprochen wurde. Sicherlich sind beide Phoenix-Kameen nach Mailand zu lokalisieren. Der hier besprochene Kameo ist im Vergleich zu dem anderen offenbar früher entstanden. In der skulpturalen Steinbehandlung unterscheiden sich beide Stücke erheblich. Der vorliegende Phoenix-Kameo ist stark plastisch herausgearbeitet im Vergleich zu der flachen Reliefarbeit des zweiten Phoenix mit den ausgebreiteten Schwingen. Der erste Phoenix zeigt eine charakteristische Hinterschneidung, die teilweise zu freistehenden Elementen führt, wie beim Kopf und dem oberen Flügel. Die beiden Kasseler Phoenix-Kameen werden bei Weber (Weber 1992, Nr. 124) mit ausführlicher Besprechung des Phoenixtypus erwähnt.
Phoenix-Darstellungen waren auf Kameen beliebt, beispielhaft ein Christusmedaillon mit einer Phoenixdarstellung auf der Rückseite (K. Herding, in: Kat. Berlin 1970, Nr. 38 mit ausführlicher Besprechung und weiterführender Literatur). Im Mittelalter war neben der Bibel ein kleines Volksbuch, "Der Physiologus" (der Naturkundige), verbreitet. Der unbekannte Autor aus der Antike (um 200 n. Chr.) verbindet in 55 Beschreibungen von Tieren, Pflanzen und Steinen das Göttliche mit dem Kreatürlichen. Im Kapitel "Phoenix" wird dargestellt, wie der Vogel sich selbst verbrennt, um nach drei Tagen aus der Asche neu zu erstehen, und daß dies als Symbol für Tod und Auferstehung Christi gilt.
Im 16. Jahrhundert gab es in Mailand Spezialisten für Tierdarstellungen im Steinschnitt. Bekannt dafür war die Familie Masnago mit ihrem großen Werkstattbetrieb. Bereits Morigia (Morigia 1595, S. 294f.) berichtete im Jahr 1595 von den Tierdarstellungen des Giovanni Antonio Masnago (tätig 2.Hälfte des 16. Jahrhunderts). Noch berühmter wurde dessen Sohn Alessandro Masnago (1540-1620), der zwar weiter in Mailand lebte, jedoch vornehmlich für Kaiser Rudolf II. in Prag tätig war.
Die hier vorgestellte Phoenix-Kamee kann der frühen Masnago-Werkstatt, der des Vaters Giovanni Antonio Masnago (tätig 2. Hälfte 16. Jh.), zugeschrieben werden.

Stand: November 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. VII. 56.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. IV. 56.
  • No 9. Designation Von denen geschnittenen Edelgesteinen, Medaillen von Gold, Silber und Kupfer, ingleichen Müntzen (Elfenbein und in Wachß und Thon poussirten portraits) so zu folge. (1730) 1753, Nr. 60.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. II. 51.
Literatur:
  • P. Morigia: La Nobilità di Milano. Mailand 1595, S. 294f.
  • Fritz Eichler; Ernst Kris: Die Kameen im Kunsthistorischen Museum (Publikationen aus den Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Bd. II). Wien 1927, S. 130f, Kat.Nr. Nr. 236-256, Taf. 36.
  • Europäisches Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Neuerwerbungen 1959-1969. Berlin 1970, Kat.Nr. 38.
  • Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. 124.
  • Der Physiologus. Tiere und ihre Symbolik. 7. Aufl.. Aufl. Zürich 1995, S. 14, Kat.Nr. 7.
  • Schmidberger, Ekkehard; Richter, Thomas; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: SchatzKunst 800-1800. Kunsthandwerk und Plastik der Staatlichen Museen Kassel im Hessischen Landesmuseum. Wolfratshausen 2001, S. 123, Kat.Nr. 44.
  • Schnackenburg-Prael, Heidi: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel (Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel). Kassel 2006, Kat.Nr. B XVI. Tab. B-IV-56.
  • Bungarten, Gisela [Hrsg.]: Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, S. 311, 315, Abbildung S. 312, Kat.Nr. VII.8.


Letzte Aktualisierung: 18.03.2026



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