Venus Kallipygos



Venus Kallipygos


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VI-4
Bezeichnung: Venus Kallipygos
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 17. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: unbestimmt
Material / Technik: buntfleckig in Hellgrün mit dunkelgrau-bräunlichen Partien; der sehr dicke Stein weist einen senkrecht kantigen Rand auf
Maße: 6,88 x 3,57 x 0,92 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ D): "B VI 4";


Katalogtext:
Dieses singuläre Stück fällt durch seinen kontrastreichen buntfleckigen Stein in Hellgrün-Dunkelgrau auf und vermittelt durch die Farbverschiedenheit eine gewisse Unruhe. Diese schwierige Steinstruktur wurde für die Herausarbeitung der Anatomie des ganzfigurigen Rückenakts virtuos genutzt, besonders die Gesäßpartie gewinnt an plastischer Wirkung.
Venus steht auf leicht ansteigendem Boden, ihr linkes Bein ist als Standbein gut ausgearbeitet mit organischer Fußverkürzung in den Raum hineinführend von dem rechten Bein davor überkreuzt. Mit ihrem rechten Ellbogen stützt sie sich auf ein breites Säulenpostament. Mit ihrem linken gestreckten Arm hält sie ein in Falten gerafftes Tuch. Der Kopf ist ins Profil nach rechts gewendet, Zöpfe umrahmen als Kranz den Kopf.
Der griechische Schriftsteller Athenaios berichtete von der Verehrung einer Aphroditestatute in Syrakus, die mit der Linken ihr Gewand hochhebt, um ihr "schönes Hinterteil" zu entblößen (Aphrodite Kallipygos, Athenaios 12,80; 554).
Wie Weber erkannte (Weber 1983, Abb. 2 auf S. 146; S. 145-150), handelt es sich um eine Reliefvariante nach einer Dürerzeichnung von 1506 (Berlin, Kupferstichkabinett, W. 402). Die Autorin erwähnt, daß die hochovale Kasseler Kamee etwa halb so groß ist wie die bisher bekannten Reliefs und infolge der Abweichungen zu diesen der Dürerschen Zeichnung von 1506 nähersteht.
Dieses Thema des Rückenakts verbreitete sich in der Dürerrenaissance im kunsthandwerklichen Bereich vielfach in allen möglichen Kopien aus den verschiedensten Materialien. Die Venus Kallipygos nach Dürer existiert in Solnhofer Stein, Blei- und Gipsabgüssen (Weber 1975, Nr. 759 A, Nr. 759 B) und Elfenbein.
Weber schreibt die hier besprochene Kamee einer deutschen, etwas provinziellen Werkstatt im späten 17. Jahrhundert zu. Der Kopf mit dem nach rechts gerichteten Profil ist zurückhaltend, die Rückensilhouette jedoch ist im Relief stärker ausmodelliert. Der Steinschnitt stammt sicherlich von einem renommierten Steinschneider.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIII. 4.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. VI. 4.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. IV. 3.
Literatur:
  • Ingrid Weber: Deutsche, Niederländische und Französische Renaissanceplaketten 1500-1650. München 1975, Kat.Nr. 759.
  • Ingrid S. Weber: Venus Kallipygos, der "Weibliche Rückenakt" nach Dürer. In: Städel Jahrbuch, N.F. 9. Frankfurt am Main 1983, S. 145-150.


Letzte Aktualisierung: 17.03.2026



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