Doppelseitig: Brustbild eines römischen Kaisers / Weibliches Brustbild



Doppelseitig: Brustbild eines römischen Kaisers / Weibliches Brustbild


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VI-7
Bezeichnung: Doppelseitig: Brustbild eines römischen Kaisers / Weibliches Brustbild
Künstler / Hersteller: Miseroni-Werkstatt
Datierung: Anfang 17. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Mailand oder Prag
Material / Technik: vierschichtig: das männliche Brustbild aus der mittelbraunen Schicht, Hintergrund hellbraun, ins Weiß übergehend; das weibliche Brustbild aus der weißen Schicht mit transluziden und flockigen Einsprengseln, Hintergrund hellbraun
Maße: 4,62 x 3,47 x 1,31 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Der doppelseitige Kameo ist von hoher Qualität. Wahrscheinlich ist das Imperatorenbild als Hauptseite zu verstehen. Effektvoll ist das helle weibliche Porträt im Gegensatz zu dem dunkleren Imperatorenporträt. Die Brustbilder sind harmonisch in die hochovale Form komponiert.
Das männliche Bildnis ist aus der mittelbraunen Schicht herausgearbeitet. Ein römischer Imperator im strengen Profil blickt nach links, er trägt einen Lorbeerkranz mit Binde. Unter der Toga ist die Rüstung auf der linken Achsel mit einem bärtigen Maskaron breit verziert. Der Imperator ist schwer zu bestimmen, es könnte Augustus oder Tiberius (vgl. Weber 1992, Nr. 152) gemeint sein. Ein stilistisch und typologisch verwandter Imperatoren-Kameo in der Münchner Sammlung (Weber 2001, Nr. 282) wird von Weber als "Prag, Mitte 17. Jahrhundert" eingeordnet. Bei dem Kasseler Stück könnte man an die späte Miseroni-Werkstatt in Prag oder Mailand denken.
Auf der Gegenseite, die ebenso in Relieftechnik als Kameo herausgearbeitet wurde, ist ein weibliches Brustbild dargestellt, das im Profil gleichfalls nach links gerichtet ist. Die Dargestellte trägt eine kunstvolle Frisur und einen Ohrring. Der Steinschneider hat hier die weiße Schicht benutzt, die durch ihre kristalline Wolkigkeit die Weichheit der Formen verstärkt. Schulter und linke Brust sind entblößt. Über ihrer rechten Schulter liegt ein Umhang, in kräftigem Faltenstil ausgearbeitet. Der Typus 'Weibliches Brustbild mit linker entblößter Brust' ist seit dem 16. Jahrhundert und vor allem im 17. Jahrhundert weit verbreitet. Weber erwähnt bei einer Kamee mit der Darstellung einer Skylla (Weber 1992, Nr. 125) als Vergleichsbeispiel des frühen 17. Jahrhunderts das hier besprochene Exemplar. Eine gewisse Stilähnlichkeit findet sich auch bei einem weiteren Münchner Kameo (Weber 1992, Nr. 133), sowohl insgesamt als auch bei Details wie der Fältelung des Umhangs oder dem angeschnittenen Oberarm an der Schulter.
Erika Zwierlein-Diehl (Archäologisches Institut der Universität Bonn) ist der Ansicht, es könnte Caesar mit Kleopatra oder Augustus mit Livia gemeint sein. Im 17. Jahrhundert wurden Kaiserinnen durchaus mit entblößter Brust dargestellt.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIII. 7.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. VI. 7.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. IV. 6.
Literatur:
  • Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. 125.
  • Ingrid S. Weber: Geschnittene Steine aus altbayerischem Besitz. Kameen und Intaglien des 15. bis späten 17. Jahrhunderts in der Staatlichen Münzsammlung München. München/Berlin 2001, S. 147, Kat.Nr. 282.


Letzte Aktualisierung: 17.03.2026



© Hessen Kassel Heritage 2026
Datenschutzhinweis | Impressum