Diana
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-VI-16 |
| Bezeichnung:
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Diana |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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16. Jh./Anfang 17. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Frankreich (?) |
| Material / Technik:
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dreischichtig: Haare und Gewand aus der oberen hellbraunen Schicht, Inkarnat und der Köcher aus der mittleren weißen Schicht, Basisplatte aus der transluziden hellbraunen Schicht; abgeschrägter Rand |
| Maße:
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4,09 x 2,63 x 0,59 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ A): "116-139"; Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "IV 15";
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Katalogtext:
Diana, die Göttin der Jagd, ist im Brustbild nach rechts im Profil dargestellt. Sie trägt den ärmellosen Chiton, auf dem Rücken ihre Waffe, von der hier lediglich der geschlossene Köcher dargestellt ist. Von ihren frei auf die Schultern herabfallenden Lockensträhnen ist eine Haarpartie zu einem hochsitzenden Schopf aufgebunden.
Charakteristisch für diese Kamee sind der flächige Schnitt, die etwas steife Art und die farblich interessante Dreischichtigkeit des Materials. Die Oberfläche der obersten bearbeiteten Haar- und Gewandschicht wirkt in der Fläche bündig. Die Locken- und Faltengrate erreichen dadurch ihren plastischen Effekt, daß der Steinschneider in den Faltentiefen bereits die hellere Steinschicht durchschimmern läßt. Dies ist eine gekonnt raffinierte Steinverwendung. Ähnlich in der Gesamtauffassung des weiblichen Brustbilds mit der flächigen Bearbeitung und demselben Frisurentyp mit dem hochsitzenden Schopf ist eine Kamee mit einer Römerin in Florenz (Kris 1929, Nr. 59), sie wird als "italienisch, 16. Jh.", eingeordnet.
Weber deutete eine Stilverwandtschaft der Kasseler Diana mit einer Münchner Kamee mit der Darstellung Alexanders des Großen an (Weber 1992, Nr. 191). Sie datiert die Münchner Kamee ins 17. Jahrhundert und lokalisiert sie nach Italien. Wahrscheinlicher ist aber bei dem Kasseler Stück und möglicherweise bei der gesamten Gruppe mit dieser speziellen flächigen Steinverarbeitung eine französische Provenienz.
Die Darstellung der Diana war in der Glyptik ein beliebtes Thema und ist in zahlreichen Sammlungen sogar mehrfach vertreten. Das berühmteste antike Exemplar stammt aus einem Grabfund bei Verona im Jahre 1828 (Eichler/Kris 1927, Nr. 42, Taf. 16), es zeigt die Göttin mit Bogen und Köcher. Völkel bezeichnet die Kasseler Kamee in seinem Steininventar von 1791, also vor dem Grabfund, als "Unbekannte Büste". Pinder benennt in seinem Inventar von 1873, also nach dem Grabfund, die Darstellung der Kamee "Weiblicher Kopf (Diana?)".
Daneben existieren zahlreiche weitere antike Diana-Kameen mit hochgebundenen Schopf und Köcher in Berlin (Furtwängler 1896, Nr. 11109 f.) und vor allem in der Eremitage in St. Petersburg (Neverov 1988, Nr. 114-116; AK Zürich 1993, Nr. 129) und in Paris in der Bibliothèque Nationale (Vollenweider 1995, Nr. 97, 98, 99 und 131). In London im British Museum (Dalton 1915, Nr. 73, 75, Taf. VI) findet sich der ähnliche, etwas steife hochovale Diana-Typus, der unserer Kamee mit geschlossenem Köcher, ohne sichtbaren Bogenansatz, entspricht. Diana/Artemis war die populärste Göttin der Griechen und trat im Kult besonders hervor. Sie galt als Herrin der Tiere, auf der Peloponnes galt sie speziell als Fruchtbarkeitsgöttin.
Besonders beliebt war die Göttin Diana am französischen Hof im 16. Jahrhundert. Den größten Liebreiz zeigt eine Diana-Kamee der Eremitage (Kagan 1973, Nr. 52; AK Paris 2000, S. 83), die Diana von Poitiers (1499-1566) als "Diana" verkörpert. Sie war die Favoritin von Heinrich II., dem König von Frankreich. Nach dessen Tod im Jahre 1559 mußte sie den Hof verlassen.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIII. 16.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. VI. 16.
- No 9. Designation Von denen geschnittenen Edelgesteinen, Medaillen von Gold, Silber und Kupfer, ingleichen Müntzen (Elfenbein und in Wachß und Thon poussirten portraits) so zu folge. (1730) 1753, Nr. 116.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. IV. 15.
Literatur:
- Adolf Furtwängler: Beschreibung der geschnittenen Steine im Antiquarium. Königliche Museen zu Berlin. Berlin 1896, Kat.Nr. Nr. 11109f., Taf. 67.
- Ernest Babelon: Catalogue des camées antiques et modernes de la Bibliothèque Nationale. Paris 1897, Kat.Nr. Nr. 31, Taf. V, auch Nr. 32, Taf. IV.
- Ormonde Maddock Dalton: Catalogue of the engraved gems of the post-classical periods in the Department of British and Mediaeval Antiquities and Ethnography in the British Museum. London 1915, Kat.Nr. Nr. 73, 75, Taf. VI.
- Fritz Eichler; Ernst Kris: Die Kameen im Kunsthistorischen Museum (Publikationen aus den Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Bd. II). Wien 1927, S. 70, Kat.Nr. Nr. 42, Taf. 16.
- Kris, Ernst: Meister und Meisterwerke der Steinschneidekunst in der italienischen Renaissance. Wien 1929, Kat.Nr. Nr. 59, Taf. 16.
- Julia Kagan: Western European cameos in the Hermitage Collection. Leningrad 1973, Kat.Nr. 52.
- Wolfgang Oberleitner: Geschnittene Steine. Die Prunkkameen der Wiener Antikensammlung. Wien 1985, S. 67.
- Oleg Neverov: Antičnye kamei v sobranii Gosudarstvennogo Ermitaža (= Antike Kameen der Staatlichen Ermitage Leningrad). Leningrad 1988, Kat.Nr. 114-116.
- Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. Nr. 191, Taf. IV.
- Wolf-Rüdiger Megow: Gemmen und Kameen der Griechen, Etrusker, Römer und Byzantiner. In: AK Zürich 1993. Zürich 1993, S. 242, Kat.Nr. 129.
- Marie-Louise Vollenweider: Camées et intailles, Bd. I: Les Portraits grecs du Cabinet des médailles. Bibliothèque nationale de France. Paris 1995, Kat.Nr. Nr. 97-99, Taf. 56 u. Nr. 131, Taf. 70.
- Julia Kagan und Oleg Neverov: Splendeurs des collections de Catherine II de Russie. Le Cabinet de pierres gravées du Duc d'Orlèans. Paris 2000, S. 83, Kat.Nr. Nr. 46/27.
Letzte Aktualisierung: 17.03.2026