Leda mit dem Schwan



Leda mit dem Schwan


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VI-17
Bezeichnung: Leda mit dem Schwan
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 2. H. 16. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Oberitalien oder Frankreich
Material / Technik: zweischichtig: figürliche Darstellung aus der weißen oberen Schicht, Hintergrund aus der transluziden hellgrauen Schicht
Maße: 3,19 x 2,84 x 0,61 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ A): "131-174";
Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "IV 16";


Katalogtext:
Die kauernde unbekleidete Leda hält mit ihrer Linken ihren Umhang fest, ihre Rechte umarmt bereits Jupiter in Gestalt eines Schwans. Dieser nähert sich ihr und liebkost mit seinem Schnabel ihren Busen.
Das Motiv mit Leda und dem Schwan ist in der Steinschneidekunst bereits seit der Antike ein besonders beliebtes Thema mit vielerlei Varianten (Euripides, Helena 17-22). Bei dem vorliegenden Exemplar ist die Version mit der kauernd-sitzenden Leda dargestellt. Der Figurenstil entspricht dem späten 16. Jahrhundert im Übergang zum 17. Jahrhundert und erinnert an die Schule von Fontainebleau. Die glatte Bearbeitung unterstützt den weichen und fließenden Gesamteindruck. Insgesamt zeigt sich die manieristische Art, die Figur langgestreckt, kleinköpfig und bewegt darzustellen. Gesicht oder Schwanenkopf sind wenig detailliert ausgeführt.
Eine Leda-Kamee in der Münchner Münzsammlung (Weber 1992, Nr. 132) zeigt eine ähnlich überlängte Figur mit kleinem Kopf in starker Bewegung.
Distelberger (R. Distelberger, in: AK Wien 2002, S. 178) stellte fest, daß die sitzende Leda, die den Schwan neben sich an der Seite hält, ikonographisch vergleichbar ist mit jener im Deckengemälde des Baldassare Peruzzi (1481-1536) in der Loggia di Galatea der Farnesina in Rom.
Die Beliebtheit dieses Motivs zeigt ein Gemälde des Giovanni Piancastelli mit dem Porträt des Steinschneiders Giovanni Bernardi da Castelbolognese (1496-1553) (Donati 1989, Abb. 1; Hackenbroch 1996, S. 166f.), auf dem dieser eine runde Hutagraffe mit der Darstellung der sitzenden Leda mit dem Schwan trägt.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIII. 17.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. VI. 17.
  • No 9. Designation Von denen geschnittenen Edelgesteinen, Medaillen von Gold, Silber und Kupfer, ingleichen Müntzen (Elfenbein und in Wachß und Thon poussirten portraits) so zu folge. (1730) 1753, Nr. 131.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. IV. 16.
Literatur:
  • Valentino Donati: Pietre Dure e Medaglie del Rinascimento. Giovanni da Castel Bolognese. Ferrara 1989, Kat.Nr. 1.
  • Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. Nr. 132, Taf. VIII.
  • Yvonne Hackenbroch: Enseignes, Renaissance Hat Jewels. Florenz 1996, S. 166f.


Letzte Aktualisierung: 17.03.2026



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