Sisyphos mit einem Felsbrocken auf dem Rücken



Sisyphos mit einem Felsbrocken auf dem Rücken


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VI-31
Bezeichnung: Sisyphos mit einem Felsbrocken auf dem Rücken
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 16. Jh. (?); Fassung zeitgleich
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Italien
Material / Technik: weißes Relief auf zart hellgrau-violettem Grund
Maße: 3,04 x 2,25 x 0,65 cm mit Rückplatte (Objektmaß)
mit Fassung 3,39 x 2,55 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (wohl Typ D oder E): "658";


Katalogtext:
Der nackte bärtige Sisyphos steht ganzfigurig in Dreiviertelansicht en face, nach rechts schreitend. Mit seinen hochgereckten Armen hält er über seinen Schultern einen großen Felsbrocken. Anschaulich ist der Augenblick dargestellt, in dem er durch die Last zu Boden gedrückt wird und sich deshalb breitbeinig abstützt, die Muskeln quellen am Oberkörper athletisch hervor. Das Tragen und Lasten ist damit eindrucksvoll veranschaulicht. Sisyphos steht mit beiden Beinen auf einem felsigen Areal, das sich nach rechts in den Hintergrund zieht und dort durch übereinandergeschichtete Steine angedeutet wird.
Der Steinschneider hat einen dünnen Randstreifen aus der oberen weißen Schicht stehen gelassen, um die Komposition bildmäßig herauszuheben.
Völkel bezeichnet den Dargestellten als Atlas mit dem Himmelsgewölbe. Diese Interpretation ist jedoch durch die vom üblichen Typus abweichenden Attribute nicht haltbar. Der Dargestellte zeigt auf seinem Rücken kein Himmelsgewölbe, sondern offensichtlich einen Stein. Das Ambiente mit den Felsbrocken weist ebenfalls auf die Identifizierung als Sisyphos hin. Sisyphos, König von Ephyra, dem späteren Korinth, mußte als Strafe für seine Untaten in der Unterwelt ewig einen Felsbrocken den Berg hinaufwälzen, der immer wieder hinunterrollte.
Die nachantike Welt folgte bei der Darstellung des Sisyphos thematisch Ovids Metamorphosen (Ovid, Met. 4,456-463). Auch Tizian griff das Thema auf, sein Gemälde aus dem Jahre 1549 im Prado zeigt den Heros, wie er den Stein auf seinen Schultern trägt.
Für den hier besprochenen sehr qualitätvollen Kameo konnte bisher keine direkte Vorlage gefunden werden. Diskutiert werden muß, ob es sich um ein antikes Stück handelt. Der Felsbrocken über den Schultern könnte auch das Kissen des listigen Herkules darstellen, der Atlas bat, ihm kurz das Himmelsgewölbe abzunehmen, damit er sich ein Kissen auflegen könne. Durch diese List zwang er ihm die Last wieder auf. Diese motivische Vermischung von Kissen und Felsbrocken erzeugt eine Unklarheit und würde für eine Datierung ins 16. Jahrhundert nach verschiedenen antiken Vorlagen sprechen (Metope vom Zeustempel in Olympia, um 460 v. Chr., Olympia, Museum).

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIII. 31.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. VI. 31.
  • Verzeichniß der im Pretiosen Schrank befindlichen Gegenstände. / In dem folgenden Verzeichniße sind alle Gegenstände beschrieben, die sich gegenwärtig (1827) im Pretiosen Schrank befinden. [...] Dr. Völkel. SMK, Archiv HLM. 1827, Nr. B II. 658.
  • Verzeichniß der aus der Gemmen=Sammlung in den Preziosenschrank versetzten geschnittenen Steine und Muscheln, die unterstrichenen sind nicht gefaßt, Cassel, den 19. April 1881. A. Lenz. SMK, Archiv HLM. 1881, Nr. V. 658.
Literatur:
Silber, vergoldet; Kastenfassung mit nach vorne greifenden abgerundeten Zacken; auf der Rückseite in der Mitte Schräubchen, oberes Schräubchen verloren


Letzte Aktualisierung: 13.03.2026



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