Nackte weibliche Figur mit Füllhorn (Abundantia?)



Nackte weibliche Figur mit Füllhorn (Abundantia?)


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VI-33
Bezeichnung: Nackte weibliche Figur mit Füllhorn (Abundantia?)
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: um 1600
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Oberitalien
Material / Technik: weißes Relief auf transluzidem hellgrauem Grund
Maße: 2,94 x 1,8 x 0,85 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "22-21";
Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "IV 31";


Katalogtext:
Eine nackte weibliche Gestalt in Vorderansicht, den Kopf nach links ins Profil gewendet, mit Blick auf den Inhalt des Füllhorns (wohl Blumen und Blätter), das sie mit ihrer Rechten festhält. Das in großem Faltenwurf fallende Gewandteil oder Tuch enthüllt den wohlgeformten Körper. Das Haar liegt in Wellen um den Kopf, im Nacken zu einem Knoten führend. Das Tuch umhüllt ihren linken Arm und fällt über den Rücken breit zum Boden, daraus wölbt sich eine Standleiste plastisch nach vorn.
Zwei verwandte Darstellungen in Wien (Eichler/Kris 1927, Nr. 172) und München (Weber 1992, Nr. 131), die eine Abundantia zeigen, sind seitenverkehrt bzw. zu dem Füllhorn nach rechts hin konzipiert.
Die Wiener Kamee aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts (1619 im Matthiasinventar erwähnt, wohl bereits zur rudolfinischen Sammlung gehörend) ist stilistisch früher und zeigt einen anderen Kopftypus. Sie stützt ihren rechten Arm auf einen weinumrankten Baumstamm, die Linke greift in ein mit Früchten gefülltes Horn. Von dem weinumrankten Baumstamm ist auf der hier besprochenen Kamee lediglich der eigenwillige Faltenwurf auf der entsprechenden Seite geblieben. Die wohl etwas spätere Variante in München weicht stilistisch von der Wiener ab und dürfte zeitlich näher an dem Kasseler Kameo sein.
Die Bezeichnung Abundantia von Eichler und Kris sowie von Weber ist zu diskutieren. Das Attribut der Abundantia, der altitalischen Göttin der Fülle und des Überflußes, war das Füllhorn. Völkel schlägt jedoch Pomona (Ovid, Met. 14,622ff.) vor, die über Gärten und Früchte wacht. Pomona galt als Nymphe von großer Schönheit. Interessant dazu ist die Verbindung mit dem Gott der Jahreszeiten Vertumnus, von dem sie heiß begehrt wurde und der sich zur Tarnung in eine alte Frau mit einer Rebe, die sich um eine Ulme emporrankte, verkleidete. Dies würde den weinumrankten Baumstamm erklären.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIII. 33.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. VI. 33.
  • No 9. Designation Von denen geschnittenen Edelgesteinen, Medaillen von Gold, Silber und Kupfer, ingleichen Müntzen (Elfenbein und in Wachß und Thon poussirten portraits) so zu folge. (1730) 1753, Nr. 22.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. IV. 31.
Literatur:
  • Hans Gebhart: Gemmen und Kameen. Berlin 1925, S. 137, Kat.Nr. 192.
  • Fritz Eichler; Ernst Kris: Die Kameen im Kunsthistorischen Museum (Publikationen aus den Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Bd. II). Wien 1927, S. 108, Kat.Nr. Nr. 172, Taf. 25.
  • Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. Nr. 131.


Letzte Aktualisierung: 17.03.2026



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