Männliches Brustbild



Männliches Brustbild


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VI-39
Bezeichnung: Männliches Brustbild
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 2. H. 16. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: unbestimmt
Material / Technik: weißes Relief auf hellbeigem Grund; Partien der Rückseite beige und weiß
Maße: 3,16 x 2,39 x 0,74 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ A): (nicht lesbar);
Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "IV 36";


Katalogtext:
Männliches Brustbild in Rüstung, ins Profil nach rechts gewendet. Über der rechten Schulter eine mit einer Fibel geschlossene Toga.
Die Physiognomie ist ausdrucksvoll gestaltet. Unverkennbar ist die charakteristische scharfe Gratbehandlung der Binnendarstellung der Falten im Gesicht, die als tiefe Furchen gebildet sind, auf der Wange ein kreisförmiges Mal. Die Haare sind durch kleinteilige sich überschneidende Gravuren charakterisiert. Bei der Rüstung ist der Faltenstil ebenso in tiefen kantigen Furchen schematisch behandelt.
Ein Kameo der Münchner Sammlung (Weber 1992, Nr. 164) zeigt ein ähnliches Porträt mit dem runden Mal auf der Wange und wird von Weber als "römischer Kaiser" bezeichnet. Zur genaueren Identifizierung muß auf ein beinahe identisches Stück verwiesen werden, das sich heute in der Royal Collection in Windsor Castle befindet.
Publiziert wurde dieser Kameo bereits 1767 (Gori 1767, LVII; Aschengreen Piacenti 1977, S. 80) anläßlich des Verkaufs der Gemmensammlung des Konsuls Smith an König Georg III. Bei Gori wird der Dargestellte mit den Furchen und dem Mal auf der Wange als "Caius Marius" bezeichnet. Ein ähnlich furchig behandelter Kopf mit gleichfalls rundem Muttermal auf einem Karneol wird bei Kagan und Neverov (AK Paris 2000, Nr. 24/5) als Cicero bezeichnet.
Dieser Typus hatte wegen seiner neuen Ausdrucksmöglichkeit solchen Erfolg, daß er in den verschiedensten Gemmensammlungen vertreten war. In Schloß Rosenborg in Kopenhagen (Inv.Nr. 42-246) findet sich ein ähnliches kantig-furchiges Kameenporträt eines Imperators mit Lorbeerkranz nach links.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIII. 39.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. VI. 39.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. IV. 36.
Literatur:
  • Antonio Francesco Gori: Dactyliotheca Smithiana gemmarum ectypa et Antonii Francisci Gorii enarrationes. 1767, Kat.Nr. LVII.
  • Kirsten Aschengreen Piacenti: Consul Smith's gems. In: The Connoisseur 195, Juni 1977. 1977, S. 80, Kat.Nr. 784.
  • Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. Nr. 164.
  • Julia Kagan und Oleg Neverov: Splendeurs des collections de Catherine II de Russie. Le Cabinet de pierres gravées du Duc d'Orlèans. Paris 2000, S. 73, Kat.Nr. 24/5.


Letzte Aktualisierung: 18.03.2026



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