Julia Titi (ca. 63 - ca. 89 n. Chr.) nach dem Intaglio des griechischen Steinschneiders Euodos



Julia Titi (ca. 63 - ca. 89 n. Chr.) nach dem Intaglio des griechischen Steinschneiders Euodos


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VI-41
Bezeichnung: Julia Titi (ca. 63 - ca. 89 n. Chr.) nach dem Intaglio des griechischen Steinschneiders Euodos
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: Anfang 17. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Frankreich (?)
Material / Technik: weißes Relief auf violett-rosa Grund
Maße: 3,38 x 2,38 x 0,8 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ A): "64-68";


Katalogtext:
Die für ihre Schönheit gerühmte Tochter des Kaisers Titus, Julia (ca. 63 - ca. 89 n. Chr.), ist wegen des hohen gekräuselten Lockenaufbaues ihrer Haare, die nach hinten in feinen Zöpfen zu einem breit geschwungenen Knoten kunstvoll zusammengefaßt sind, zu identifizieren. Zahlreiche Bildnisse der Julia Titi sind erhalten und vermitteln ihre ebenmäßigen Gesichtszüge mit großen Augen. Die im ausdrucksvollen Profil nach rechts Dargestellte trägt eine Halskette, ein breites Ehrendiadem - die Stephane - im Haar und am Ohr ein doppeltes Perlengehänge. Über der Tunika trägt sie einen Mantel.
Dieser in den meisten großen Sammlungen verbreitete Typus geht zurück auf einen bedeutenden, ungewöhnlich großen Aquamarin-Intaglio mit der Künstlerinschrift von Euodos, einem griechischen Künstler der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Dieser Aquamarin kam im Jahre 1791 aus der Abtei St. Denis in das Cabinet des Médailles (Bibliothèque Nationale in Paris), er befindet sich in einer kostbaren karolingischen Fassung, die ehemals als Bekrönung eines Reliquiars diente, das Karl der Kahle der Abtei schenkte und in den Inventaren von St. Denis als Oratorium Karls des Großen aufgeführt wird (Zwierlein-Diehl 1986, Nr. 146). Furtwängler (Furtwängler 1900, Taf. 48, Nr. 8; Forrer 1902-1930, Bd. II, S. 51f.) vertritt die Ansicht, daß man aus dem Monogramm AMOX an der höchsten Stelle der Fassung des Saphirs schließen kann, daß der Kopf der Julia Titi im frühen Mittelalter als Bild der Muttergottes galt.
Der hier besprochene Kameo orientiert sich in den Porträtdetails exakt an dem Aquamarin in Paris. Es fehlen lediglich das Spiralrankenornament auf dem Diadem und der geflochtene Träger als Halter der Stola. Der Stein ist jedoch in Kameentechnik auf einen Karneolonyx umgesetzt worden, das weiße Porträt wirkt kontrastreich und durch die raffinierte rosa-violette Hintergrundfarbe zugleich weich. Es handelt sich hier um ein besonders qualitätvolles Stück, etwas beeinträchtigt durch den schlechten Erhaltungszustand mit mehreren Rissen auf dem Reliefbild.
Der Kopf der Julia Titi findet sich wiederholt auf antiken Intaglien. Ihre Darstellung auf Kameen erfreute sich auch in späterer Zeit immer noch wachsender Beliebtheit, vor allem im 18. Jahrhundert als Glasguß, wie das Münchner Exemplar von James Tassie (Glasgow 1735-1799 London) beispielhaft zeigt. Dieser von Weber (Weber 1995, S. 29, Nr. 322, Nr. 407) besprochene Abguß entspricht dem von Tassie (Raspe/Tassie 1791, Nr. 11521), der sich als vollständige Serie in der Eremitage in St. Petersburg befindet.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXIII. 41.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. VI. 41.
  • No 9. Designation Von denen geschnittenen Edelgesteinen, Medaillen von Gold, Silber und Kupfer, ingleichen Müntzen (Elfenbein und in Wachß und Thon poussirten portraits) so zu folge. (1730) 1753, Nr. 64.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. IV. 38.
Literatur:
  • Ernest Babelon: La gravure en pierres fines, camées et intailles. Paris 1894, S. 172-173, Kat.Nr. Abb. 130.
  • Adolf Furtwängler: Die antiken Gemmen. Geschichte der Steinschneidekunst im klassischen Altertum. Leipzig / Berlin 1900, Kat.Nr. Taf. 48, Nr. 8.
  • Leonard Forrer: Biographical Dictionary of Medallists, Coin-, Gem-, and Seal-Engravers. London 1902-1930.
  • Georg Lippold: Gemmen und Kameen des Altertums und der Neuzeit. Stuttgart 1922, Kat.Nr. Taf. 73, Nr. 5.
  • Erika Zwierlein-Diehl: Glaspasten im Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg. Bd. I: Abdrücke von antiken und ausgewählten nachantiken Intagli und Kameen. München 1986, Kat.Nr. 146.
  • Ingrid S. Weber: Geschnittene Steine des 18. bis 20. Jahrhunderts. Vergessene Kostbarkeiten in der Staatlichen Münzsammlung München. München 1995, Kat.Nr. Nr. 322 (mit weiterer Lit.), Nr. 407.
  • Schnackenburg-Prael, Heidi: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel (Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel). Kassel 2006, Kat.Nr. B XVI. Tab. B-VI-41.
  • Bungarten, Gisela [Hrsg.]: Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, S. 314-315, Abbildung S. 315, Kat.Nr. VII.18.


Letzte Aktualisierung: 17.03.2026



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