Kleopatra



Kleopatra


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VII-18
Bezeichnung: Kleopatra
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: Anfang 17. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: unbestimmt
Material / Technik: weißes Relief mit hellbraunem Fleck am Hals (konzentriert auf die Schlange) auf transluzidem hellbeigem Grund
Maße: 3,22 x 2,66 x 0,67 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ A): "96-102";
Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "V 18";


Katalogtext:
Diese Kamee ist von außergewöhnlicher Schönheit. Die Reliefabstufungen in ihrer Differenziertheit des Steinschnitts sind von einer Meisterhand geschaffen. Der Kopf der Kleopatra ist ins Profil nach rechts gewendet. Auf ihren fein ziseliert und lockig gesträhnten Haaren ein funkelndes Diadem und ein Schleiertuch, am freiliegenden Ohr eine glänzend polierte Perle. Das Schleiertuch fällt in feiner Fältelung herab und zieht sich von der hinteren Wange nach vorne, nach Art der "sterbenden oder toten Kleopatra, die auf dem Tuch liegt" (I. Weber, in: AK Bayreuth 1998, Nr. 146). Der Gesichtsausdruck ist emotionslos, das ausdrucksvoll umschattete Auge erscheint bereits gebrochen. Aus dem Tuch heraus windet sich eine Schlange zu ihrem Hals. Auf dem Hals eine zweite zusammengerollte Schlange, hervorgehoben durch eine hellbraun getönte Farbpartie des Chalcedons. Raffiniert ist die Ausnutzung der Farbverschiedenheit des Steins für die gerollte Schlange und der stark weißliche Glanz der Perle am Ohr; möglicherweise wurde diese Wirkung durch eine künstliche Färbung erreicht.
Eine verwandte Kleopatra-Kamee aus der Berliner Sammlung wurde in der Bayreuther Ausstellung (I. Weber, in: AK Bayreuth 1998, Nr. 146) vorgestellt. Das Berliner Exemplar ist jedoch nicht so qualitätvoll wie das Kasseler, es zeigt insofern eine Variante, als dort drei Schlangen in anderer Form angeordnet sind. Weber datiert die Berliner Kamee "17. bis 18. Jahrhundert" und lokalisiert sie als "cisalpin" (Weber interpretiert entgegen der üblichen Verwendung "cisalpin" als nordalpin).
Eine kleinere und künstlerisch bescheidenere Variante des Kleopatra-Typs in flachem Relief finden wir in der Kasseler Sammlung auf demselben Tablar (B XVI. Tab. B-VII-46), jedoch seitenverkehrt. Die Darstellung basiert auf einem antiken Kleopatra-Exemplar (Wilde 1703, Nr. 34). Bekanntlich tötete sich Kleopatra nach dem Selbstmord des Marc Anton durch einen Natternbiß (Plutarch, Antonius 86). Eine spätere Version des 18. Jahrhunderts desselben Themas mit dem Brustbild der sterbenden Kleopatra findet sich auf einem Intaglio in der Münchner Münzsammlung (Weber 1995, Nr. 403).

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXI. 18.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. Tab. VII. 18.
  • No 9. Designation Von denen geschnittenen Edelgesteinen, Medaillen von Gold, Silber und Kupfer, ingleichen Müntzen (Elfenbein und in Wachß und Thon poussirten portraits) so zu folge. (1730) 1753, Nr. 96.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. V. 18.
Literatur:
  • Jacob de Wilde: Gemmae Selectae Antiquae e museo Jacobi de Wilde. Amsterdam 1703, Kat.Nr. 34.
  • Adolf Furtwängler: Beschreibung der geschnittenen Steine im Antiquarium. Königliche Museen zu Berlin. Berlin 1896, Kat.Nr. Nr. 11415, Taf. 69.
  • Ingrid S. Weber: Geschnittene Steine des 18. bis 20. Jahrhunderts. Vergessene Kostbarkeiten in der Staatlichen Münzsammlung München. München 1995, Kat.Nr. Nr. 403.
  • Ingrid S. Weber: Geschnittene Steine. In: AK Bayreuth 1998. Bayreuth 1998, Kat.Nr. 146.


Letzte Aktualisierung: 17.03.2026



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