Brustbild eines Mädchens mit offenen Haaren



Brustbild eines Mädchens mit offenen Haaren


Inventar Nr.: KP B XVI. Tab. B-VII-29
Bezeichnung: Brustbild eines Mädchens mit offenen Haaren
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: Anfang 17. Jh.
Objektgruppe: Gemme / Kamee
Geogr. Bezug: Italien
Material / Technik: zweischichtig: weißes Relief auf roséfarbenem Grund
Maße: 2,11 x 1,66 x 0,39 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Ein häufig verwendeter und variierter Typus ist hier fein und kontrastreich auf einem zweifarbigen Stein gestaltet. Das anmutige weibliche Bildnis im Profil nach rechts setzt sich durch das helle porzellanartige Weiß reizvoll von dem roséfarbenen Grund ab. Über ihrer linken Schulter ein Gewandteil, das die rechte Schulter und Brust unbekleidet läßt. Das wellige Haar um Stirn und Schläfe mit einer einzelnen lang herabfallenden Lockensträhne. Auf dem glatten Haar am Oberkopf ein Haarreif. Vom Nacken aus flattern mehrere lockige Haarsträhnen dekorativ nach hinten.
Dieser Typus "Profilbüste eines Mädchens mit offenen Haaren" existiert in vielen Varianten. Der hier besprochene Stein von guter Qualität ist relativ klein und flach bearbeitet. Denselben Kameentypus in Florenz (Wentzel 1956, Nr. 38 und 164) und Neapel (Wentzel 1956, Nr. 932), jedoch stilistisch anders, datiert Wentzel (Wentzel 1956, S. 258f. und S. 277) ins 14./15. Jahrhundert. Mit Recht widerspricht dem Weber (Weber 1992, Nr. 58 und Nr. 235; Wentzel 1957, Nr. 9, Abb. 15): "Die Ausführung von Gesicht, Haartracht und Falten, der schräg abgeschnittene rechte Oberarm sind Merkmale des späten 16. bis frühen 17. Jahrhunderts." Neben anderen Vergleichsstücken erwähnt Weber Kameen an einem Pokal im Kunsthistorischen Museum in Wien (Eichler/Kris 1927, S. 41, Abb. 17).
Wentzel (Wentzel 1956, S. 258) erwähnt bei dem Florenzer Kameo ein weiteres Beispiel am Gemmengefäß des Landgrafen-Museums in Kassel (Wentzel 1967, S. 71f., Abb. 11; R.-A. Schütte, in: Kat. Kassel 2001, Nr. 104). Diese kleine Kamee an der Kasseler Deckelschale (Schnackenburg-Praël 2001, S. 607, Abb. 8: links neben der Hauptkamee; R.-A. Schütte, in: AK Kassel 1999, S. 328, Abb. 14.5) ist der hier besprochenen Kamee verblüffend ähnlich. Ein verwandter Kameentypus findet sich in der Bibliothèque Nationale in Paris (Babelon 1897, Nr. 536).
Dargestellt sein könnte eine Muse (Vollenweider 1966, Taf. 54, Nr. 8) oder eine Amazone nach antikem Vorbild.

Stand: April 2006


Inventare:
  • Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXI. 29.
  • Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. Tab. VII. 29.
  • Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. V. 29.
Literatur:
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Letzte Aktualisierung: 12.03.2026



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