Weibliches Brustbild
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-VII-54 |
| Bezeichnung:
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Weibliches Brustbild |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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um 1500 (?) |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Italien (Venedig (?)) |
| Material / Technik:
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transluzides Orangerot |
| Maße:
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1,83 x 1,47 x 0,74 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ A): "45-45"; Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "V 54";
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Katalogtext:
Die Wirkung der kleinen Frauenbüste beruht vor allem auf dem transluziden orangeroten Stein und dem dadurch entstehenden Leuchten. Das Gesicht in Vorderansicht mit gescheitelten Haaren ist mit einfachen Schnitten gearbeitet. Um die Schultern ein mit linearer Faltengebung angedeutetes Gewand.
Dieses Exemplar gehört zu einer Gruppe von Hyazinthkameen, die aus Italien stammen und verhältnismäßig früh zu datieren sind. Möglicherweise ist das hier besprochene Stück eine frühe Antikenrezeption des 14. oder 15. Jahrhunderts. Stilistisch kann diese Kamee dem paduanisch-venezianischen Kreis zugeordnet werden.
Ähnliche Exemplare befinden sich in London (Dalton 1915, Nr. 28, 480-483) und Wien (Eichler/Kris 1927, Nr. 156, 161), die jedoch alle nicht silhouettiert sind. Größtenteils werden sie dort als Mänaden bezeichnet. Auffällig ist bei dieser Steingruppe, daß alle en face- oder Dreiviertel-Darstellungen aufweisen und einen undifferenzierten Stil zeigen. Hyazinthe sind sehr schwierig zu bearbeiten, so daß nicht nur aus dem Stilwollen heraus, sondern auch aufgrund der schwierigen Steinbehandlung ein relativ einfacher Gemmenschnitt resultiert.
Die in Inventaren und Katalogen gebräuchliche Bezeichnung "Hyazinth" ist nicht mehr haltbar, die heutige Bezeichnung muß "Hessonit" lauten. Zeitweilig wurde vermutet, daß es sich um eine Edelsteinimitation handelt. Die naturwissenschaftliche Untersuchung ergab, daß es sich um Hessonit und auf keinen Fall um Glas handelt.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXI. 54.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. Tab. VII. 54.
- No 9. Designation Von denen geschnittenen Edelgesteinen, Medaillen von Gold, Silber und Kupfer, ingleichen Müntzen (Elfenbein und in Wachß und Thon poussirten portraits) so zu folge. (1730) 1753, Nr. 45.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. V. 54.
Literatur:
- Ormonde Maddock Dalton: Catalogue of the engraved gems of the post-classical periods in the Department of British and Mediaeval Antiquities and Ethnography in the British Museum. London 1915.
- Fritz Eichler; Ernst Kris: Die Kameen im Kunsthistorischen Museum (Publikationen aus den Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Bd. II). Wien 1927, S. 103f, Kat.Nr. Nr. 156, 161, beide Taf. 69 (mit weiterer Lit.).
- Kris, Ernst: Meister und Meisterwerke der Steinschneidekunst in der italienischen Renaissance. Wien 1929, S. 159, Kat.Nr. Nr. 132.
Letzte Aktualisierung: 16.03.2026