Weibliches Brustbild
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-VII-55 |
| Bezeichnung:
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Weibliches Brustbild |
| Künstler / Hersteller:
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unbekannt
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| Datierung:
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Ende 16. Jh. |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Italien oder Frankreich (?) |
| Material / Technik:
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weißes Relief auf transluzidem Grund |
| Maße:
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1,76 x 1,28 x 0,33 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Aufkleber: Aufkleber, lose (Typ A): "19-18"; Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ B): "V 55";
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Katalogtext:
Von hervorragender Qualität eine kleine Chalcedonkamee in zierlicher und feiner Detailarbeit. Dargestellt ist das Brustbild eines jungen und anmutigen Mädchens im Profilbildnis nach links, in ärmellosem gefälteltem Chiton. Auffallend ist der überlängte Hals, das Haar ist an Stirn und Schläfe zu einem dicken Band zusammengerollt, auf dem Kopf ist es glatt und fällt in üppigen Korkenzieherlocken breit zum Rücken herab.
Die Darstellung geht auf ein vielfach verwendetes Vorbild zurück, das Wentzel als mittelalterlich "italienisch, 14./15. Jahrhundert" einordnet (Wentzel 1956, S. 258, Nr. 38). Er versteht darunter frühe antikisierende Kameen, die bereits "renaissancehaft" wirken. Weber vertritt eine gegensätzliche Ansicht (Weber 1992, Nr. 58) und hält die von ihm angeführten Vergleichsbeispiele in Neapel, Museo Nazionale (Inv.Nr. 932), Florenz, Palazzo Pitti (Inv.Nr. 38) und im Hessischen Landesmuseum in Kassel (Kamee an einer Deckelschale Nr. B II.589) nicht für Arbeiten des 14./15. Jahrhunderts, bestätigt jedoch das Zurückgehen auf ein gleiches antikes Vorbild. Sie erwähnt weitere typenverwandte Kameen aus Sammlungen in Wien, Paris und London mit verschiedenartigen Varianten (Weber 1992, Nr. 58).
Bei Wentzel (Wentzel 1956, Taf. D, Nr. 7 und 8) verkörpern die beiden abgebildeten weiblichen Brustbilder allerdings einen anderen Typ, nämlich denjenigen mit der entblößten Brust, im Gegensatz zu der bei Weber besprochenen Kamee und der erwähnten Kamee am Kasseler Gemmengefäß. Das Profilbildnis eines jungen Mädchens mit aufgelösten Haaren, das dicke Haarband, das feine Schleiergewand und die Anmutigkeit der dargestellten Person stimmen jedoch bei allen erwähnten Kameen überein.
Stand: April 2006
Inventare:
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXI. 55.
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. Tab. VII. 55.
- No 9. Designation Von denen geschnittenen Edelgesteinen, Medaillen von Gold, Silber und Kupfer, ingleichen Müntzen (Elfenbein und in Wachß und Thon poussirten portraits) so zu folge. (1730) 1753, Nr. 19.
- Gemmenliste ohne den Pretiosenbestand, aufgestellt von Eduard Pinder zwischen 1882 und 1897. SMK, Archiv HLM. 1882-1897, Nr. Tab. V. 55.
Literatur:
- Ingrid S. Weber: Kostbare Steine. Die Gemmensammlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. München 1992, Kat.Nr. 58.
Letzte Aktualisierung: 13.03.2026